Glauben und Denken

Am Sonntag, 12.09.10, äußerte sich der von uns allen hoch geschätzte Peter Hahne in bild.de zum Thema Vereinbarkeit von Glauben und Denken.
Mein Freund W. Klosterhalfen sandte ihm daraufhin eine eMail mit folgendem Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Hahne,

Einstein war insofern ein Atheist, als er nicht an einen persönlichen Gott glaubte:

„Es war natürlich eine Lüge, was Sie über meine religiösen Überzeugungen gelesen haben, eine Lüge, die systematisch wiederholt wird. Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und ich habe dies niemals geleugnet, sondern habe es deutlich ausgesprochen. Falls es in mir etwas gibt, das man religiös nennen könnte, so ist es eine unbegrenzete Bewunderung der Struktur der Welt, so weit sie unsere Wissenschaft enthüllen kann. … Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger, aber doch reichlich primitiver Legenden …. Keine noch so feinsinnige Auslegung kann etwas daran ändern. Diese verfeinerten Auslegungen sind … höchst mannigfaltig und haben so gut wie nichts mit dem Urtext zu schaffen. … Für mich ist die unverfälschte jüdische Religion wie jede andere der Inbegriff des kindischsten Aberglaubens.“
Brief vom 3. Januar 1954 an den Philosophen Erich Gutkind, der ihm eine Kopie seines Buches “Entscheide dich für das Leben: Der biblische Aufruf zur Revolte” geschickt hatte. Zitiert im Tagesspiegel vom 15.05.2008.

Mit freundlichem Gruß

W.K.

Das wiederum inspirierte mich, da Denken und Glauben ja erklärtermaßen mein Thema auf diesem Blog sind, dem vorzüglichen Herrn Hahne ebenfalls eine freundliche Mail zu senden. Und die geht so:

Hawkins ist weder der erste noch der einzige renommierte Wissenschaftler, der zur Erklärung des Universums ohne eine Gotteshypothese auskommt. Aber nehmen wir getrost einmal an, die Schwerkraft und der Urknall seien göttlichen Ursprungs. Abgesehen davon, dass sich dann sofort die erneute Frage auftut, woher denn jener Gott kommt – Was berechtigt uns zu der Annahme, dass dieser Schöpfergott noch immer präsent ist, dass er ein Ohr ausgerechnet für uns Erdlinge am Rande einer abgelegenen Galaxis hat, dass er auch nur das geringste mit unserem persönlichen Schicksal zu tun hat oder gar am Ende aller Tage über uns richten wird? Ja, und welcher von den drei derzeit berühmtesten Göttern wäre denn der Schöpfer der Schwerkraft: Jahwe, Allah oder der dreieinige Christengott? Pardon, ich vergaß: Man geht ja verschiedentlich davon aus, dass das ein und derselbe ist. Doch warum offenbart er sich uns dann nicht deutlicher und vor allem auf die gleiche Weise? (Mir hat er sich übrigens offenbart.) Oder hat er etwa Freude daran, uns Menschen mit den verschiedenen Religionen treffliche Vorwände zu liefern, einander die Köpfe einzuschlagen? Oder will er uns damit wieder einmal prüfen wie einst den Abraham? Wozu muss ein allwissender Gott etwas prüfen?
Oh weh, ich fürchte, der Glaube wirft dem Denkenden weitaus mehr existenzielle Fragen auf als er vorgibt zu beantworten. Ich weiß: Der wahre Gläubige steht über derart naiven logisch-empirischen Anfechtungen, wie er sich überhaupt gewöhnlich allen Anders- und Ungläubigen haushoch überlegen wähnt. Er glaubt – nicht obwohl sondern weil es absurd ist. Allein unter dieser Bedingung sind Glauben und Denken freilich miteinander vereinbar.

Mit freundlichen Grüßen

R.B.

Sollte ich jemals eine Antwort bekommen, lasse ich’s Euch wissen.

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5 Responses to “Glauben und Denken”


  1. 3 verquer September 28, 2010 um 12:37 nachmittags

    Eigenwerbung mach ich doch immer gern. ;)

  2. 5 verquer September 28, 2010 um 1:12 nachmittags

    Balsam fuer meine Seele, wenn ich denn eine haette. Besten Dank. :)


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Anstößige Denk-Anstöße

Falls Du glaubst, Denken und Glauben schlössen einander nicht aus, bedenke deinen Glauben! Es gibt keine Götter – Gott sei Dank. Glaube ist der Sieg des Wunschdenkens über die Vernunft. Allein mit diesen drei harmlosen Sätzen errege ich gewiß bei vielen von euch Anstoß – und das nach über zweihundert Jahren Aufklärung! Aber Anstoß erregen heißt auch etwas anzustoßen. Und genau das möchte ich: ein wenig zum Denken, ein wenig zum Zweifeln.
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