Archive for the 'Kurzgeschichte' Category

Nelly

Foto: Susan Sermoneta /CC-Lizenz Die abgebildete Person hat nichts mit der fiktiven Titelfigur der Kurzgeschichte zu tun.

Foto: Susan Sermoneta /CC-Lizenz
Die abgebildete Person hat nichts mit der fiktiven Titelfigur der Kurzgeschichte zu tun.

“Neger-Nelly, Neger-Nelly!” krächzte es über den Schulhof, und das solcherart beschimpfte Mädchen warf sich schluchzend in die Arme seiner besten Freundin. Mit ihrem krausen Haar, den tiefdunklen Augen und ihrer braunen, samtenen Haut war sie wunderschön. Aber das wusste die Elfjährige noch nicht.
Zwei schlacksige Rüpel, die offenbar meinten, sich bei dem Geschrei besonders hervortun zu müssen, schnappte der Aufsicht habende Lehrer am Schlafittchen und brachte sie vor die Rektorin.
Die setzte mühsam den strengsten Blick auf, der ihr zur Verfügung stand, und ließ eine Standpauke ab, in der von Rassismus, Respekt und freundlichem Miteinander die Rede war und die mit der Frage schloss:
“Woher habt ihr solche Ausdrücke? Was lest ihr bloß für Bücher?” weiterlesen ‘Nelly’

Geschichten zum Vorlesen

epubli präsentiert

Geschichten zum Vorlesen
Gutenachtgeschichten

Softcover A4, 140 Seiten

epubli-Verlag Berlin

ISBN 978-3-84423-906-5

“Wer kann sich nicht daran erinnern, im warmen Bett zu liegen, sich an die Seite seiner Eltern zu schmiegen und gespannt deren Erzählungen zu lauschen. Das Abtauchen in ferne Welten, aufregende Abenteuer und fremde Wesen hat unsere Fantasie und Träume beflügelt. Bei vielen weckten gerade diese Erlebnisse das Interesse an Büchern und machten einige zu regelrechten Bücherwürmern.
Vorlesen fördert das kindliche Interesse für das geschriebene Wort und hilft dadurch, Lesekompetenz zu vermitteln. … weiterlesen ‘Geschichten zum Vorlesen’

Reinkarnation?

Gesenkten Hauptes traten der Dichter Kisilewski und sein Hausarzt Doktor Stamm vom offenen Grabe zurück.
“Er war ein guter Patient. Zu dumm, dass es so schnell mit ihm zu Ende gehen musste”, sagte Dr. Stamm. Feuchter Kies knirschte unter seinen Sohlen.
“Wieder ein wacher Leser weniger, wirklich schade”, sprach der Dichter und verkroch sich vor dem Nieselregen tiefer zwischen Mantelkragen und Ballonmütze. “Sag mir, Doktor, du Sachverständiger des Lebens”, hauchte er in den nassen Dunst, “gibt es Hoffnung? Haben wir ein Leben nach dem Tode zu erwarten?” weiterlesen ‘Reinkarnation?’

Schäfchen zählen

Inmitten der lieblichen brandenburgischen Gefilde mit ihren Seen und Wäldern, ihren Weiden und sandigen Heideflächen lebte dereinst der Schäfer Gottlieb mit seinem treuen Schäferhunde Rex. Sie nannten eine beachtliche Herde ihr Eigen, die Gottlieb zu den Weideflächen und zur Tränke führte und die Rex mittels seiner drohend gefletschten Zähne zuverlässig beieinander hielt. Gottlieb schor die Tiere regelmäßig, verkaufte ihre Wolle zu einem guten Preis, und an so manchem Sonn- und Feiertag kam es schon mal vor, dass er einem zarten Lämmlein das Fell gänzlich über die Ohren zog. Gottlieb ließ sich den Braten schmecken und für Rex fielen etliche saftige Knochen ab. So sorgten sie für sich im gleichen Geiste und hatten beide ein gutes Auskommen. weiterlesen ‘Schäfchen zählen’

Ein klassischer Fall von Schizophrenie

Gastbeitrag von Yuriko Yushimata aus ihrer Sammlung religionskritischer Kurzgeschichten Religion Version 2.100:

Ein klassischer Fall von Schizophrenie

Der Psychoanalytiker bat den jungen Mann ohne Überraschung herein. Der Raum, in dem er Patientinnen und Patienten empfing, war freundlich aber auch professionell eingerichtet. Einige Blumen und einige wenige persönliche Details gaben dem Raum eine warme Note. Die schwarze Ledercouch und der Schreibtisch, hinter dem der Analytiker in der Regel seine Fragen stellte, sorgten gleichzeitig für die nötige Distanz.
Der junge Mann trug ein schlichtes weites weißes Gewand und hatte lange wallende Haare. Seine Augen schienen von innen zu leuchten. Er umfasste die dargebotene Hand des Analytikers mit seinen beiden Händen, als würde er beten, und blickte ihm freundlich strahlend in die Augen. Der Analytiker blieb distanziert, nickte höflich, und wies auf die Couch. “Nehmen Sie bitte Platz.” weiterlesen ‘Ein klassischer Fall von Schizophrenie’

Unverhoffte Begegnung der dritten Art

BieretikettGanz am östlichen Rand des Landes, unweit des Grenzflusses, liegt eine Ortschaft, die sich einst neben einem Zisterzienserkloster ansiedelte. Das Kloster wurde 1817 säkularisiert, in Betrieb blieben nur die Kirche, ein kleines barockes Schmuckstück, und die Klosterbrauerei, ein Juwel traditioneller Braukunst. Der Heilige Geist schwebte also weiterhin sowohl in ätherischer als auch in flüssiger Form über dem Flecken. Das war wohl auch die Ursache dafür, dass selbst in den finstersten Zeiten die Gemeinde eine feucht-fromme Oase inmitten der dürstend-gottlosen Wüste bildete. weiterlesen ‘Unverhoffte Begegnung der dritten Art’

Die Seele

Schon fast zehn Jahre lebte der Alte im Heim. Die Kräfte hatten ihn verlassen, nun verflüchtigte sich allmählich auch sein Gedächtnis. Da er dennoch über einen wachen Geist verfügte, verdroß ihn das sehr, und er fragte den Pfarrer um Rat.
„Wie ist das mit der Seele, Herr Pfarrer?“
„Nun“, hub der Pfarrer seine Trostworte an, „deine Seele ist unsterblich. Durch Gottes Gnade wird sie ins Jenseits eingehen, zum ewigen Leben.“ weiterlesen ‘Die Seele’

Heilungen

„Irmchen“, fragte Doktor Stamm seine umtriebige Sprechstundenhilfe, „wer sind denn die beiden neuen Figuren im Wartezimmer?“
„Den Symptomen nach wieder zwei Magen-Darm-Infekte. Der Herr in Schwarz ist Hochwürden Maximus von Sankt Anna und der in der knittrigen Leinenjacke ein Kollege von Ihnen.“
„Was für‘n Kollege? Meines Wissens bin ich der einzige Niedergelassene in diesem Kaff.“
„Natürlich, Herr Doktor, kein richtiger Arzt. Das ist der Heilpraktiker Dr. Moritz. Den Titel hat er wohl irgendwo in der Ukraine gekauft.“
„Sollen warten“, brummelte Stamm und zog sich in seinen Ordinationsraum zurück.
Schwester Irma setzte ihr sonnigstes Lächeln auf und flötete ins Wartezimmer: „Bitte noch einen kleinen Moment Geduld, meine Herren.“ weiterlesen ‘Heilungen’


Anstößige Denk-Anstöße

Falls Du glaubst, Denken und Glauben schlössen einander nicht aus, bedenke deinen Glauben! Es gibt keine Götter – Gott sei Dank. Glaube ist der Sieg des Wunschdenkens über die Vernunft. Allein mit diesen drei harmlosen Sätzen errege ich gewiß bei vielen von euch Anstoß – und das nach über zweihundert Jahren Aufklärung! Aber Anstoß erregen heißt auch etwas anzustoßen. Und genau das möchte ich: ein wenig zum Denken, ein wenig zum Zweifeln.
Juli 2014
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