Theologie

Da sich die Theologie als Wissenschaft versteht, sollte sie sich unter anderem folgende Fragen gefallen lassen:

Was ist ihr Forschungsgegenstand?

Gott?
Das darf eigentlich nicht sein, denn ER selbst verwahrt sich ja bereits im Zweiten Gebot dagegen, daß man ihm zu nah auf die Pelle rückt: „Fertige dir kein Gottesbild an. Mach dir auch kein Abbild von irgend etwas im Himmel, auf der Erde oder im Meer.“ (Ex. 20;4)
Genaugenommen verbietet ER damit im ersten Satz die Theologie und im zweiten die Naturwissenschaften. Wen wundert’s?
Betrachtet sie Gott dennoch als ihren Gegenstand, so ist die Theologie die einzige Wissenschaft weit und breit, die etwas untersucht, dessen Existenz lediglich postuliert aber nicht bewiesen ist.
(Da ist ja selbst die Astrologie besser dran: Die Existenz von Sternen ist unzweifelhaft.)

Gottes Absichten?
Das wäre vermessen. Wie sollte man hinter die Absichten eines Wesens kommen, dessen Existenz man lediglich postulieren kann?
Außerdem betont die Theologie selbst oft genug, Gottes Wege seien unerforschlich.

Die Bibel?
Aber sie ist die Heilige Schrift, zwar von Menschen verfaßt, doch von Gott und seinem Heiligen Geist inspiriert. Wem stünde es zu, daran herumzudeuteln?

Der Glaube?
Seiner Natur nach hat der Glaube nichts mit Wissen zu tun, denn der Begriff beschreibt ja gerade das, was man nicht weiß. Eine Wissenschaft also über Dinge, die man per definitionem nicht weiß!
Ferner ist der Glaube sich selbst genug, ruht in sich und ruft Gewißheit hervor. Wozu soll er dann durch Wissen untermauert werden?

Der rechte Glaube?
Aber wer weiß schon, welcher der rechte Glaube ist, außer der Heiligen Inqui… (Verzeihung) Glaubenskongregation? Oder sollte die Aufgabe darin bestehen, neue Erkenntnisse stets so lange zu bekämpfen bis es gar nicht mehr geht, um hernach den Glauben mit der gebotenen Zurückhaltung und ganz, ganz vorsichtig an die nun nicht mehr neuen Erkenntnisse anzupassen und ihn somit zu retten? Aber wäre dieses ideologische Geschäft eines Wissenschaftlers würdig?

Also, was ist nun ihr Gegenstand?

Welches wissenschaftliche Instrumentarium wendet sie an?

Logik?
In Ansätzen besteht wohl der Versuch, sich redlich zu bemühen, aber bereits bei der Beantwortung der Theodizee-Frage weicht man gewöhnlich aufs Schwurbeln aus, da die konsequente Anwendung der Logik unweigerlich zur für den Theologen falschen Antwort führt.
Gottes Existenz unterliegt nicht der Logik dieser Welt, Gott ist logisch nicht zugänglich? Aber meine Herren, was soll dann Theologie?

Empirie?
Bislang sind beispielsweise keine in theologischen Schriften veröffentlichten placebokontrollierten, randomisierten Doppelblindstudien etwa zur Wirksamkeit des Gebets, des Exorzismus oder zur Heilkraft des Wassers von Lourdes bekannt. Oder doch? Und wenn ja, mit welchen Ergebnissen?

Also, mit welchem Instrumentarium arbeitet diese Wissenschaft?

weiterführende Literatur

2 Responses to “Theologie”


  1. 1 raskalnikow Dezember 10, 2010 um 7:53 pm

    Salut,
    dein Artikel hier gefällt mir echt gut – da werde ich mir bei Bedarf was davon abschneiden.
    Ich bin zwar ein Atheist, trotzdem kann ich dir auf deine abschliessende Frage zumindest einen Hinweis geben. Gearbeitet wird in der Theologie mit der historisch-kritischen Methode (http://de.wikipedia.org/wiki/Historisch-kritische_Methode) bzw. ist das die Methode, wenn in der Theologie halbwegs seriös gearbeitet wird. Was immer das auch genau heisst… als Naturwissenschafter sind mir mehr oder weniger alle Geisteswissenschaften etwas suspekt bzw. unverständlich.

  2. 2 raskalnikow Dezember 10, 2010 um 7:55 pm

    Der Hauptpunkt ist meiner Meinung nach wirklich: Was ist überhaupt der Gegenstand dieser „Forschung“!


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Falls Du glaubst, Denken und Glauben schlössen einander nicht aus, bedenke deinen Glauben! Es gibt keine Götter – Gott sei Dank. Glaube ist der Sieg des Wunschdenkens über die Vernunft. Allein mit diesen drei harmlosen Sätzen errege ich gewiß bei vielen von euch Anstoß – und das nach über zweihundert Jahren Aufklärung! Aber Anstoß erregen heißt auch etwas anzustoßen. Und genau das möchte ich: ein wenig zum Denken, ein wenig zum Zweifeln.
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