Die Hasspredigt

Achtung – bevor eine Meute aufgebrachter Atheisten versucht, die iranische Botschaft anzuzünden – dies ist eine Satire, die sich übrigens mitnichten gegen unsere muslimischen Mitbürger richtet – ganz im Gegenteil.

Der fromme Imam Hadschi Mohammed Hassan* hielt unlängst in der Salam-Moschee* die folgende Predigt:

„Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen,
alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten,
dem Allerbarmer, dem Barmherzigen,
dem Herrscher am Tage des Gerichts!
Dir allein dienen wir, und Dich allein bitten wir um Hilfe.
Führe uns den geraden Weg,
den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, nicht den Weg derer, die Deinen Zorn erregt haben, und nicht den Weg der Irregehenden. (1)
Oh ja, hütet euch vor den Irregehenden, den falschen Propheten, die da aussehen wie Schafe, die zur Herde gehören. In Wirklichkeit sind sie Wölfe, die auf Raub aus sind. Ihr erkennt sie an ihren Taten! Von Dornengestrüpp kann man keine Weintrauben pflücken und von Disteln keine Feigen. Ein gesunder Baum trägt gute Früchte und ein kranker Baum schlechte. Umgekehrt kann ein gesunder Baum keine schlechten Früchte tragen und ein kranker Baum keine guten. Jeder Baum, der keine guten Früchte trägt, wird umgehauen und verbrannt werden. (2) Wie das Unkraut eingesammelt und verbrannt wird, so wird es bald am Ende der Welt zugehen: Die Engel werden alle einsammeln, die Allah, er ist gepriesen und erhaben, ungehorsam waren und auch andere zum Ungehorsam verleitet haben. Sie werden sie in den glühenden Ofen werfen, wo sie heulen und mit den Zähnen knirschen. (3) Oh ihr Schlangenbrut! Wie solltet ihr Gutes reden können, wo ihr doch böse seid! Aber das sage ich euch: Am Tag des Gerichts werdet ihr euch verantworten müssen für jedes unnütze Wort, das ihr gesprochen habt! (4) Macht nur das Maß eurer Väter voll! Ihr Schlangenbrut, wie wollt ihr der Höllenstrafe entgehen? Ich versichere euch: Noch diese Generation wird die Strafe für alle ihre Schandtaten bekommen. (5) Allah, er ist gepriesen und erhaben, er wird die Menschen in zwei Gruppen teilen, so wie ein Hirt die Schafe von den Ziegen trennt. Die Schafe wird er auf die rechte Seite stellen und die Ziegen auf die linke. Dann wird er zu denen auf der linken Seite sagen: ‘Geht mir aus den Augen, ihr seid verflucht! Fort mit euch in das ewige Feuer, das für den Satan und seine Helfer vorbereitet ist!‘ (6) Von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, wird der eine angenommen, der andere bleibt zurück. Von zwei Frauen, die zusammen Korn mahlen, wird die eine angenommen, die andere bleibt zurück. (7) Es wird sein wie mit dem Netz, das im See ausgeworfen wird und mit dem man Fische von jeder Art einfängt. Ist das Netz voll, so ziehen es die Fischer an Land, setzen sich hin und sortieren den Fang. Die guten Fische kommen in Körbe, die unbrauchbaren werden weggeworfen. So wird es am baldigen Weltenende sein. Die Engel Allahs, er ist gepriesen und erhaben, werden kommen und die, die nicht nach seinem Willen gelebt haben, von denen trennen, die getan haben, was Allah will, er ist gepriesen und erhaben. Sie werden die Ungehorsamen in den glühenden Ofen werfen; dort werden sie heulen und mit den Zähnen klappern. (8)
Ihr fragt, wann das sein wird? Oh, ihr solltet euch darüber im Klaren sein: Wenn ein Hausherr genau wüßte, wann der Dieb kommt, würde er den Einbruch verhindern. Darum seid jederzeit bereit, denn Allah, er ist gepriesen und erhaben, wird herniederkommen, wenn ihr es nicht erwartet. (9) Und er wird zu seinen Feinden, die ihn nicht als Herrscher haben wollten, sagen: ‘Bringt sie her und macht sie vor meinen Augen nieder!‘ (10)
Ich will euch sagen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, der nicht nur töten kann, sondern auch noch die Macht hat, euch ins ewige Verderben zu schicken. Ja, ich sage euch, den sollt ihr fürchten! Wer Allah beleidigt, er ist gepriesen und erhaben, der wird keine Vergebung finden. (11) Allah ist der Weinstock, er ist gepriesen und erhaben, und ihr seid die Reben. Wer in ihm lebt, der bringt reiche Frucht. Denn ohne ihn könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht mit ihm vereint bleibt, der wird wie eine abgeschnittene Rebe fortgeworfen und vertrocknet. Solche Reben werden gesammelt und ins Feuer geworfen, wo sie verbrennen. (12)
Ich will euch ein Gleichnis erzählen: Wenn Allah, er ist gepriesen und erhaben, seine Herrschaft aufrichtet, ist es wie bei einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. Er schickte seine Diener aus, um die geladenen Gäste zum Fest zu bitten, aber sie wollten nicht kommen, sondern gingen ihren Geschäften nach. Manche nahmen sogar die Diener des Königs fest, trieben ihren Spott mit ihnen und töteten sie. Da wurde der König zornig und schickte seine Heere. Er ließ die Mörder umbringen und ihre Stadt niederbrennen. Dann sagte er zu seinen Dienern: ‘Die Vorbereitungen zum Fest sind getroffen, aber die geladenen Gäste waren es nicht wert. Geht jetzt hinaus und ladet alle zur Hochzeit ein, die euch begegnen.‘ Die Diener gingen auf die Straßen und brachten alle mit, die sie fanden – schlechte und gute Leute. So wurde der Hochzeitssaal voll. Als der König kam, um sich seine Gäste anzusehen, entdeckte er einen, der nicht festlich gekleidet war. Er sprach ihn an: ‘Wie bist denn du hier hereingekommen? Du bist ja gar nicht festlich angezogen.‘ Der Mann hatte keine Entschuldigung. Da befahl der König seinen Dienern: ‘Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die Dunkelheit, wo es nichts als Jammern und Zähneknirschen gibt.‘ Denn viele sind berufen, aber nur wenige von ihnen sind Erwählte. (13)
Ihr fragt, warum ich ein Gleichnis gebrauche? Nun, euch läßt Allah erkennen, er ist gepriesen und erhaben, wie er seine Herrschaft aufrichtet, aber die Außenstehenden erfahren davon nur in Gleichnissen: Sie sollen hinsehen, soviel sie wollen, und doch nicht erkennen, sie sollen zuhören, soviel sie wollen, und doch nichts verstehen, damit sie ja nicht zu Allah umkehren , er ist gepriesen und erhaben, und er ihnen ihre Schuld vergebe. (14) Warum versteht ihr denn nicht, was ich sage? Weil ihr es nicht ertragen könnt, meine Worte anzuhören. Ihr seid Kinder des Teufels, der ist euer Vater, und nach seinen Wünschen handelt ihr! (15)
Aber ihr sollt handeln nach der Schariah! Das ganze Gesetz muß erfüllt werden. Wer also ein noch so unbedeutendes Gebot übertritt und auch andere dazu verleitet, der wird im Reich Allahs, er ist gepriesen und erhaben, der Geringste von allen sein. (16) Wer einen Mord begeht, soll also vor Gericht gestellt werden. Ich aber sage euch: Schon wer auf seinen Bruder zornig ist, gehört vor Gericht. Wer aber zu seinem Bruder sagt: ‘Du Idiot‘, der gehört vor das oberste Gericht. Und wer zu seinem Bruder sagt: ‘Geh zum Teufel‘, der verdient, ins Feuer der Hölle geworfen zu werden. (17)
Allah, er ist gepriesen und erhaben, hat am Anfang den Menschen als Mann und Frau geschaffen. Deshalb verläßt ein Mann Vater und Mutter, um mit seiner Frau zu leben. Die zwei sind dann eins, mit Leib und Seele. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. (18) Ihr wißt also, daß es heißt: Zerstöre keine Ehe. Ich aber sage euch: Wer die Frau eines anderen auch nur ansieht und sie haben will, hat in Gedanken schon ihre Ehe zerstört. (19)
Wer auch nur einen einfachen Menschen, der auf Allah vertraut, er ist gepriesen und erhaben, an ihm zweifeln läßt, der käme noch gut weg, wenn man ihn mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer werfen würde. Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab. Es ist besser für dich, mit nur einer Hand bei Allah zu leben, er ist gepriesen und erhaben, als mit beiden Händen in die Hölle zu kommen, in das Feuer, das nie ausgeht. Oder wenn dich dein Fuß zum Bösen verführt, dann hau ihn ab; denn es ist besser für dich, mit nur einem Fuß ewig zu leben, als mit beiden Füßen in die Hölle geworfen zu werden. Und wenn dich dein Auge verführt, dann reiß es aus, denn es ist besser für dich, mit nur einem Auge in das Reich Allahs zu kommen, er ist gepriesen und erhaben, als mit beiden Augen in die Hölle zu fahren, wo die Qual nicht aufhört und das Feuer nicht ausgeht. (20)
Ich bin gekommen, um auf der Erde ein Feuer zu entfachen, und ich wollte, es stünde schon in hellem Brand. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden in die Welt zu bringen? Nein, nicht Frieden, sage ich euch, sondern Entzweiung. (21) Ihr bewundert das alles hier? Ich sage euch, hier wird kein Stein auf dem anderen bleiben. Alles wird bis auf den Grund zerstört werden. (22) Ich sage euch: Diese Generation wird das alles noch erleben. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte nicht. Aber den Tag oder die Stunde, wann das geschehen soll, kennt nur Allah allein, er ist gepriesen und erhaben. (23)

Aufgrund einer Anzeige wegen Volksverhetzung wurde der fromme Imam anderntags festgenommen, jedoch umgehend wieder auf freien Fuß gesetzt, nachdem er die Quellen seiner Predigt offengelegt hatte.

*Name und Ort sind der Redaktion bekannt, wurden aber geändert, um Personen und Sachen vor möglichen Attacken Ungläubiger zu schützen.

(1) Sure 1
(2) Vgl. Mt 7; 15-19
(3) Vgl. Mt 13; 40-42
(4) Vgl. Mt 12; 34-36
(5) Vgl. Mt 23; 31-36
(6) Vgl. Mt 25; 32,33,41
(7) Vgl. Mt 24; 40,41)
(8) Vgl. Mt 13; 47-50
(9) Vgl. Lk 12; 39-40
(10) Vgl. Lk 19; 27
(11) Vgl. Lk 11; 5, 10
(12) Vgl. Joh 15; 5, 6
(13) Vgl. Mt 22; 1-14
(14) Vgl. Mk 4; 10-12
(15) Vgl. Joh 8; 43, 44
(16) Vgl. Mt 5; 19
(17) Vgl. Mt 5; 21, 22
(18) Vgl. Mk 10; 6-8
(19) Vgl. Mt 5; 27, 28
(20) Vgl. Mk 9; 42-48
(21) Vgl. Lk 12; 49,51
(22) Vgl. Mt 24; 2
(23) Vgl. Mt 24; 34-36

1 Response to “Die Hasspredigt”


  1. 1 Linus Heilig Juni 1, 2010 um 11:42 am

    Ob es wohl besser ist, Allah (er ist gepriesen und erhaben) zuvorzukommen? Wenn es ihn gäbe, ja. Ich denke dabei an den Realsatiriker Kurt Tucholsky (er ist gepriesen und erhaben).


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Falls Du glaubst, Denken und Glauben schlössen einander nicht aus, bedenke deinen Glauben! Es gibt keine Götter – Gott sei Dank. Glaube ist der Sieg des Wunschdenkens über die Vernunft. Allein mit diesen drei harmlosen Sätzen errege ich gewiß bei vielen von euch Anstoß – und das nach über zweihundert Jahren Aufklärung! Aber Anstoß erregen heißt auch etwas anzustoßen. Und genau das möchte ich: ein wenig zum Denken, ein wenig zum Zweifeln.
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