Wie das wohl zuging

Als erster Gastbeitrag ein fiktiver religiöser Dialog von HiFi Teifi, dem rasenden Reporter der bfg-Homepage

Kein Wort von Jesus ist seriös dokumentiert. Die Niederschriften in der Bibel wurden Jahrzehnte nach seinem Tod verfaßt, und die Informationen stammten aus zweiter, dritter, vierter Hand. Die mystifizierte Darstellung der Bibel ist überaus glaubensbeflissen, doch ist sie widersprüchlich, unrealistisch und vernunftwidrig. Religiöse Offenbarungen sind keine belastbaren Fakten, sondern Gerüchte. In diesem fiktiven Dialog werden die Ereignisse nach Jesu Tod viel glaubhafter dargelegt.
Zu jener Zeit stand das Land unter römischer Besatzung. Überall grassierte der Weltuntergangsglaube, so dass es naheliegt, Jesus damit in Verbindung zu bringen. Ein Götterbote, der Messias, wurde händeringend gesucht, denn wenn sich der Gott selber schon nicht blicken ließ, wollte man wenigstens Insidernachrichten. Wie sich die Geburt des christlichen Gotts tatsächlich abgespielt haben könnte, zeigt dieser Dialog in modernisierter Sprache und in realistischer Würdigung der Faktenlage. Die zugrundeliegende Logik wird klar herausgearbeitet, um ein plausibles Gegenmodell zu der Frage zu schaffen, wie das wohl zuging.

Paukus und Paps im Gespräch über Jesus; A: Paukus, B: Paps

A: »Wir sollten uns ein paar Gedanken machen, Paps.«
B: »Ja, jetzt ist er schon ein paar Tage tot, und wir müssen überlegen, wen wir an Jesu Stelle losschicken, Paukus.«
A: »Stimmt. Er hat die Botschaft ja rübergebracht, auch wenn er unsere Heilkräuter nicht gut verkauft hat. Schauderhaftes Zeug, wenn du mich fragst.«
B: »Wir können doch ein besseres Mittel besorgen, wenn wir einen neuen Wunderheiler losschicken. Es geht ja auch mehr um die Funktion als Bauernfänger, ich meine als Wanderprediger. Und es geht um unsere Botschaft.«
A: »Ehrlich gesagt macht mir die mehr Kopfschmerzen als die Kräuter.«
B: »Nanu, hast du von den Kräutern Kopfschmerzen gekriegt? So schlimm waren die nun auch wieder nicht.«
A: »Ich hab nur einmal welche genommen, und das hat mir dann gereicht. Paps, worüber ich mir Gedanken mache, ist unsere Botschaft. Der Weltuntergang. Der macht mir Kopfschmerzen.«
B: »Denk doch dran, wie es für die Irrgläubigen wird, Paukus. Was die erst für Schmerzen kriegen, wenn sie in die Hölle kommen. Was sind dagegen ein paar Kopfschmerzen, wenn du in den Himmel kommst?«
A: »Weißt du, eigentlich will ich gar nicht sterben. Ich hab doch grad wieder geheiratet, und sie kocht so gut … Was ich sagen will, Paps, auf den Weltuntergang könnte ich glatt verzichten.«
B: »Aber Paukus, Gott kommt auf die Welt hernieder und richtet über die Guten und die Bösen. Wir kommen in den Himmel, und die beknackten Römer kommen in die Hölle, zusammen mit dem ganzen anderen Gesocks. Das ist unsere Predigt, mit der Jesus auf Tour war.«
A: »Bis ihn das Gesocks bei den Römern verpetzt hat, Paps. Und die Römer haben ihn noch nicht mal verurteilt, sondern sie haben ihn dem Hohenpriester überlassen, und dem anderen Gesocks.«
B: »Ja unser oller jüdischer Klerus versteht keinen Spaß. Wenigstens hat man nur die Standardstrafe verhängt, kreuzigen ohne Verschärfung. Es wäre auch übertrieben gewesen, wenn sie ihm noch die Beine gebrochen hätten. Jesus hat doch nur ein bißchen gemeckert.«
A: »Ein bißchen zuviel, Paps. Wenn wir einen Nachfolger für die Missionsarbeit bestellen, muß der sich mehr zurückhalten.«
B: »Aber wenn er nicht über die Priester meckert und über die Wucherer schimpft, dann verkauft er nichts. Es geht doch nicht bloß um die Kräuter, Paukus. Unsere Leute können die Message nur rüberbringen, wenn sie dem Klerus am Zeug flicken können. Nur dann kommt die Botschaft an, und wir gewinnen Gläubige. Das weißt du doch, Paukus.«
A: »Das ist richtig, wir müssen unser Marketing auf alle Fälle verbessern. Wir haben zuviel Konkurrenz. Einmal unsere jüdische Priesterschaft, auch wenn sie korrupt und dekadent ist. Bei den Konservativen zieht das aber immer noch. Und die Fortschrittlichen werden von den vielen unautorisierten Wanderpredigern beackert, die den Römern dauernd entwischen. Die nennen sich Jünger, und sie äffen unseren Jesus nach; bloß auf eigene Rechnung. Und denen passiert nie was. Ausgerechnet unseren Spitzenmann müssen sie ans Kreuz schlagen, und die anderen kommen davon.«
B: »Du vergißt, dass die Römer praktisch alles zulassen, Paukus. Die haben so viele Götter, dass es nicht mehr drauf ankommt.«
A: »Richtig, Paps. Die Römergötter sind keine ernstzunehmende Konkurrenz. Einen ganzen Stall voll Götter, wo hat man sowas schon gesehen?«
B: »Genaugenommen hat ja überhaupt noch keiner einen Gott gesehen …«
A: »… und das ist das Problem, Paps. Wir brauchen einfach einen Gott, der sich zeigt. Sonst können wir einpacken. Bei soviel Konkurrenz laufen uns die Gläubigen davon, und die Zahlungsmoral bei den Beiträgen wird auch immer schlechter.«
B: »Ich hab gehört, beim jüdischen Estabishment wird es auch immer weniger.«
A: »Die Zeiten sind schlecht, Paps, auch für die alte Priesterschaft. Aber immerhin nehmen sie Prozente von den Wucherern.«
B: »O nein Paukus, sowas können wir nicht machen. Jesus hat doch immer unsere Message gebracht, in der es heißt, man muß beten und nicht nach weltlichen Gütern streben.«
A: »Das sagen die inoffiziellen Prediger auch alle, leider Gottes. Wie sollen wir da einen Marktvorteil erringen? Weißt du, meine Frau will den Garten grüner haben und einen schönen Brunnen. Äh, ich meine, wir brauchen eine Menge Geld, um gute Werke zu tun.«
B: »Du hast recht Paukus. Wenn wir jetzt mal überlegen, was haben wir denn für Alternativen? Einmal die besseren Kräuter …«
A: »… vergiß es, Paps.«
B: »Wenn du es sagst. Zweitens könnten wir die anderen Prediger verpfeifen …«
A: »Viel zu gefährlich. Da kann’s passieren, dass sie uns gleich mit schnappen. Es geht ja nicht von den Römern aus, sondern von unserer stinkkonservativen Priesterschaft. Die sind so intolerant, Paps.«
B: »Wem sagst du das? Wir sind schließlich diejenigen mit dem einen und einzigen Gott Jahwe, der keine anderen Götter neben sich duldet. Das sind wir doch, Paukus?«
A: »Wenn er doch endlich käme, um hier aufzuräumen. Wir warten schon viel zu lange – Paps, was sag‘ ich da? Ich will’s doch eigentlich nicht. Du bringst mich ganz durcheinander. Hast du keine besseren Vorschläge?«
B: »Naja, drittens könnten wir den Laden dichtmachen und uns was anderes suchen.«
A: »Das meinst du doch nicht im Ernst. Komm schon, Paps. Du bist unser Denker hier. Wenn dir nichts einfällt, geht unsere ganze Sekte den Bach runter, und wir können unsere Gruppe wirklich dichtmachen.«
B: »Du mußt verstehen, dass wir unseren Spitzenmann nicht so leicht ersetzen können, Paukus. Natürlich ist Jesus jetzt ein Märtyrer …«
A: »Ja? Sprich dich aus, Paps.«
B: »Die unwürdigen Umstände dürfen nicht darüber hinwegtäuschen. Ein Märtyrer ist für unsere Gemeinde gestorben. Also wenn wir gar nicht erst einen neuen Mann dransetzen …«
A: »… keinen neuen Mann, keine neuen Kräuter?«
B: »Genau. Wir müssen aus dem was machen, was wir haben.«
A: »Aber wir haben nur Jesus‘ Leiche.«
B: »So ganz haben wir noch nicht mal die, weil die Römer sie noch nicht freigegeben haben. Außerdem sind schon die Geier drangegangen, Paukus.«
A: »Was für eine Schande. Wie sollen wir da was draus machen? Wir können ihn ja nur begraben.«
B: »Oder er steigt zum Himmel auf, Paukus.«
A: »Ja, weil die Geier ihn fressen.«
B: »Die Geier lassen wir besser weg.«
A: »Du meinst …?«
B: »Genau. Jesus war ein Märtyrer, und nun ist er zum Himmel aufgestiegen.«
A: »Dann sollten wir aber schleunigst die Gebeine vom Schindanger wegräumen, sonst spricht sich das rum.«
B: »Du verstehst mich nicht, Paukus. Es soll sich doch rumsprechen.«
A: »Entschuldige, ich bin wirklich total durcheinander. Natürlich. Jesus ist ein Märtyrer, und er ist zum Himmel aufgestiegen. Nichts einfacher als das. Nur wer soll den Leuten sowas verklickern?«
B: »Wenn die an die Heilwirkung der Kräuter glauben, dann glauben sie alles.«
A: »Du hast vielleicht Ideen, Paps. Wie soll ich das denn begründen, wenn einer fragt, warum ist Jesus zum Himmel aufgestiegen?«
B: »Wie begründest du denn den Weltuntergang, Paukus?«
A: »Das ist doch ganz was anderes. Gott mag nicht mehr ansehen, was die Römer uns antun, und Gott muß die dekadenten Priester strafen.«
B: »Und Gott hat Jesus in den Himmel geholt.«
A: »Du bist verrückt, Paps. Natürlich ist Jesus jetzt irgendwie im Himmel, aber dass er richtig hochgeflogen ist, das glaubt uns doch kein Mensch.«
B: »Wenn in einem Satz das Wort Gott vorkommt, glauben sie alles.«
A: »Also hat Gott Jesus hochgeholt, Paps?«
B: »Nennen wir’s Himmelfahrt, Paukus. Gott hat Jesus von der Erde in den Himmel geholt.«
A: »Weißt du was, Paps? Eigentlich ist das eine tolle Idee, und wir nennen es, äh, Auferstehung.«
B: »Ich wußte doch, dass du es faustdick hinter den Ohren hast, Paukus. Auferstehung ist genau richtig. Das war ja sonst erst für den jüngsten Tag geplant, aber Jesus hat Vorfahrt. Der Märtyrer Jesus ist auferstanden, und er dient uns noch nach seinem Tod.«
A: »Wo er tot ist, kann er ja nichts dagegen haben, oder? Was macht es schon aus, wenn er uns noch ein bißchen nutzt?«
B: »Er dient unserer Sekte, Paukus. Ach was, er dient der ganzen Menschheit. So muß das sein. Das werden sie uns nicht nur in unserer Gemeinde abnehmen, sondern überall.«
A: »Paps, mit dieser Idee wird unsere Sekte einen Aufschwung nehmen.«
B: »Ganz deiner Meinung, Paukus. Wer Erfolg haben will, muß das richtige Produkt zur richtigen Zeit bringen.«
A: »Das hast du schön gesagt. Meinst du eigentlich, ob der Weltuntergang …«
B: »… ob der Weltuntergang das richtige Produkt zur richtigen Zeit ist? Mein lieber Paukus, du hast ganz recht, wenn du darauf zurückkommst. Jesus hat ja zehn Jahre damit rumgepredigt, und es ist nicht mal ein Komet runtergekommen.«
A: »Aber Jesus ist runtergekommen, wie? Ich meine, wenn er hochgefahren ist …«
B: »… auferstanden ist …«
A: »… auferstanden, genau. Also wer hochfährt muß vorher runtergekommen sein.«
B: »Paukus, das ist der Hammer. Jesus ist auf die Erde niedergekommen, um dann in den Himmel aufzufahren.«
A: »Und damit keiner sagen kann, so ist es bei jedermann …«
B: »Der langen Rede kurzer Sinn: Jesus war der Messias.«
A: »Paps, laß mich deine Hand schütteln. Den Messias haben wir ja schon so lange gesucht.«
B: »Wir haben ihn bloß nicht finden können. Und jetzt wissen wir, Jesus war der Götterbote, auf den alle gewartet haben.«
A: »Zumindest kann er nichts Gegenteiliges mehr behaupten.«
B: »Als er noch lebte, war er in diesen Dingen recht untolerant, das stimmt. Er hat immer nur gesagt, er kommt von Nazareth und nicht vom Himmel, und den Messias hat er sonstwo gesucht.«
A: »Hör auf, Paps. Wenn Gott sich schon nicht blicken läßt, schickt er uns wenigstens seinen Boten. Und das war Jesus.«
B: »Jesus, der Märtyrer.«
A: »Nein, Jesus, der Messias.«
B: »Du hast ja so recht, Paukus. Ich bin jetzt auch ganz durcheinander.«
A: »Faß es nochmal zusammen, Paps, du kannst das besser als ich.«
B: »Gott hat seinen Boten auf die Erde geschickt, um uns den jüngsten Tag zu verkünden, also den Weltuntergang. Der Götterbote hieß Jesus, und er hat die Message davon verbreitet …«
A: »… unerschrocken verbreitet …«
B: »… stimmt, er wurde ja dafür gekreuzigt. Immerhin war das beinahe der Grund, zusammen mit dem bißchen Kritik an den Priestern. Jedenfalls war Jesus ein echter Märtyrer und ein echter Messias.«
A: »Aber wieso haben wir den Messias nicht früher erkannt? Ich meine, wo doch alle so scharf auf ihn waren?«
B: »Demut, Paukus. Jesus hat immer Demut gepredigt. Wir haben ihm doch eingebleut, dass er damit die Akzeptanz erhöht.«
A: »Und warum war er so blöd – ich meine, warum hat er sich von den Römern erwischen lassen, wo er doch genausogut abhauen konnte wie die anderen?«
B: »Mein lieber Paukus, du stellst schwierige Fragen.«
A: »Das wird die Gemeinde auch fragen, ich sag’s dir.«
B: »So viele sind ja nicht davon übrig. Aber das sind lauter perverse Typen, wenn du meine Offenheit entschuldigst.«
A: »Geschenkt, Paps. Wenn man mal ganz ehrlich ist, dann ist die Sache mit dem Weltuntergang doch auch pervers. Die wollen alle sterben, bloß damit die Römer eins auf den Deckel kriegen, und um der Priesterschaft eins auszuwischen. Naja, die Bösen kommen alle in die Hölle, während wir natürlich in den Himmel kommen …«
B: »Ich weiß schon, du hast es nicht so eilig damit. Aber du hast recht, er hätte sich nicht erwischen lassen sollen.«
A: »Wahrscheinlich hat er von seinen Kräutern gekostet, Paps, die machen einen so wurstig, weißt du?«
B: »Hör auf damit, Paukus. Er ist dummerweise draufgegangen, und wir machen das beste draus, okay? Wenn wir das vielleicht noch etwas gefälliger hinrücken könnten …«
A: »Du meinst den Unfall mit der Kreuzigung?«
B: »Ich meine den Opfertod am Kreuz, Paukus.«
A: »Er war doch bloß bekifft, Paps.«
B: »Wissen das die Leute, frage ich dich? Sie wissen es nicht, sage ich dir. Es hat doch nie einer was von dem Kraut gekauft. Also hat er sich für uns geopfert.«
A: »Du hast eine atemberaubende Logik, Paps. Aber ich verstehe, was du sagen willst. Wenn wir schon hingehen und Jesus nach seinem Tod was Gutes antun, dann dürfen wir auch vom Opfertod reden. Märtyrer und Opfertod, das paßt.«
B: »Und Messias, vergiß das nicht.«
A: »Sehr gut, Paps. Damit haben wir eine wasserdichte Story, wenn die Gemeinde uns löchert. Jesus kam auf die Erde, um uns vom Weltuntergang zu künden, dann opferte er sich für uns, und er stieg zum Himmel auf.«
B: »Weißt du, so ganz rund ist es immer noch nicht. Ich meine, die Geschichte mit dem Messias ist doch ziemlich fadenscheinig. Und dann die Schriften, wo Jesus reingeschrieben hat, dass er kein Messias ist …«
A: »Die müssen weg. Die Schriften vergraben wir mit der Leiche zusammen, Paps.«
B: »Es war ja auch nur die Demut, weswegen er sowas geäußert hat, nicht wahr? Wo jetzt endlich rausgekommen ist, wie es wirklich war …«
A: »Genau, er hat sich für uns geopfert, der Gute.«
B: »Und wir haben immer gemeckert, weil er zuwenig Kräuter verkauft hat.«
A: »Werd‘ jetzt nicht wehleidig, Paps. Wir ehren doch sein Andenken, indem wir die Dinge nun zurechtrücken.«
B: »Das sind wir ihm auch schuldig. Ja, Paukus, wir tun nur unsere Pflicht. Aber was ist, wenn der Weltuntergang nicht eintritt? Ich meine, wir kommen jetzt richtig ins Geschäft, aber wenn dann wieder nichts passiert …«
A: »Bis dahin haben wir uns saniert, Paps. Andererseits, wenn ich bedenke, was meine Frau für Ansprüche stellt …«
B: »Es ist besser, wenn wir was Nachhaltiges auf die Beine stellen, was nicht so schnell auffliegt.«
A: »Ja, mit dem Weltuntergang ist das so eine Sache. Der macht mir immer noch Kopfschmerzen, Paps. Ich sag’s nicht gern, aber ich bin nicht so sicher wie Jesus, dass der wirklich kommt.«
B: »Und du willst es auch gar nicht. Das kann ich verstehen. Ich meine, wo wir unsere Sekte nun umstrukturieren und neu aufziehen, und auf einmal soll die ganze Arbeit umsonst gewesen sein?«
A: »Denk nochmal drüber nach, Paps.«
B: »Ja weißt du, Jesus hat sich doch geopfert. Der Messias ist gekommen und hat sich für uns geopfert, um nach vollbrachter Tat in den Himmel aufzusteigen. Soweit richtig, Paukus?«
A: »Du meinst, warum ist dann der Weltuntergang überhaupt noch nötig?«
B: »Du hast es erfaßt. Jesus hat ja nie erwähnt, dass er der Messias war …«
A: »… und dafür hat er um so mehr vom Weltuntergang geredet …«
B: »… und wir rücken das jetzt zurecht, Paukus.«
A: »Stimmt, das gleicht sich praktisch aus, Paps. Ich hab sofort weniger Kopfschmerzen, wenn wir den Weltuntergang tiefer hängen können.«
B: »… und den Messias hängen wir höher …«
A: »… himmelhoch …«
B: »Ja, Paukus, himmelhoch. Doch nein, es paßt immer noch nicht. Die Geschichte ist nicht rund.«
A: »Du meinst, sie werden uns drauf kommen, dass wir, ähem, die richtigen Interpretationen erst erarbeiten mußten?«
B: »Das weniger. Aber der Messias ist doch der Götterbote, der von der Niederkunft Gottes kündet, und danach ist dann der Weltuntergang mit dem jüngsten Gericht und all den Schikanen fällig.«
A: »Bloß die Niederkunft Gottes wollen wir ja nicht so unbedingt. Ich glaube, ich kriege wieder Kopfschmerzen. Fällt dir denn gar nichts mehr ein?«
B: »Paukus, es geht um die Niederkunft Gottes, stimmt’s? Was wäre, wenn diese Niederkunft schon stattgefunden hätte?«
A: »Du meinst, nochmal eine, ähem, Entdeckung?«
B: »So ist es, Paukus. Wir entdecken, dass Jesus …«
A: »… obwohl er das nie gesagt hat …«
B: »… er hat ja auch nie gesagt, dass er der Messias ist.«
A: »Stimmt, du hast recht. Sprich du es aus, Paps, ich trau mich nicht.«
B: »Wovor hast du Angst? Vor Blitz und Donner? Es ist doch ganz klar, dass Jesus von Gott gekommen ist.«
A: »Gott hat ihn ja auch hochgeholt, mit seiner Auferstehung.«
B: »Und die Niederkunft war auch göttlich.«
A: »Jesus ist Gottes Sohn?«
B: »Es kann gar nicht anders sein, Paukus.«
A: »Dass wir das erst jetzt entdeckt haben, Paps …«
B: »… ich hoffe bloß, wir kriegen keinen Ärger mit unserer vermaledeiten Priesterschaft.«
A: »O weia. Mit diesen Konservativen ist nicht zu spaßen, denk an Jesus.«
B: »Ich denke die ganze Zeit an Jesus. Und wenn ich an ihn denke, kriege ich doch noch Zweifel. Nein, er kann nicht Gottes Sohn sein. Im Testament steht nichts von einem Gottessohn drin; also hat Gott keinen Sohn.«
A: »Kein Sohn? Steht das wirklich drin? Dann kann Jesus also doch nur ein Mensch sein. Und ich dachte, wir hätten entdeckt … Paps, meine Kopfschmerzen werden schlimmer statt besser.«
B: »Paukus, mein Freund, es gibt nur eine Lösung. Wenn unsere Entdeckung stimmt, dann haben wir nicht nur einen Gottessohn entdeckt.«
A: »Paps, hast du keine Angst, dass der Himmel zusammenbricht?«
B: »Duck dich nicht so, Paukus. Wo bleiben denn Blitz und Donner? Die kommen genausowenig wie der Weltuntergang.«
A: »Vielleicht hast du damit recht, Paps. Ja, ich glaube es ist so. Nicht der kleinste Blitzschlag. Aber das kommt noch, ich garantier‘ es dir. Die olle Priesterschaft wird nämlich toben, wenn wir mit sowas ankommen. Denk an den Hohenpriester, der hatte schon Schaum vorm Mund, wenn er nur von Jesus gesprochen hat.«
B: »Und jetzt wissen wir auch, warum. Jesus ist Gottes Sohn, und Gott ist nicht Jahwe!«
A: »Nicht so laut, Paps! Er könnte uns hören.«
B: »Jahwe hört uns aber nicht mehr. Jesus hat uns gezeigt, es gibt einen anderen Gott.«
A: »Und was hat es ihm genutzt? Sie haben ihm im Namen des alten Gotts gekreuzigt, und dasselbe werden sie mit uns machen.«
B: »Da sprichst du einen wichtigen Punkt an, Paukus. Aber ich meine, auch wenn der neue Gott nichts für uns tut, dann tut der alte wenigstens nichts gegen uns.«
A: »Braucht er auch nicht, wenn’s die Priesterbande besorgt.«
B: »Und wenn wir uns selber eine Bande zulegen? Eine Gemeinde haben wir ja schon. Paukus.«
A: »Die müßten verrückt sein, sich auf sowas einzulassen.«
B: »Genau das. Die sind verrückt. Das hast du selber gesagt, erinnerst du dich?«
A: »Pervers war das Wort, und gesagt hast du das. Oh, meine Kopfschmerzen.«
B: »Hör mal, Paukus, wir müssen jetzt eine Entscheidung treffen. Wir können unsere Entdeckung auch verschweigen und weitermachen wie bisher.«
A: »Das können wir eben nicht, weil uns seit Jesus‘ Abgang …«
B: »… Himmelfahrt …«
A: »… seit Jesus‘ Himmelfahrt die Leute weglaufen. Meine Frau sagt …«
B: »Also willst du nun Ärger mit deiner Frau oder mit den Priestern?«
A: »Meine Frau würde mich nicht kreuzigen, weißt du?«
B: »Paukus, du sprichst immer so schön aus, worauf es ankommt. Wir müssen also sehr vorsichtig sein.«
A: »Sehr, sehr vorsichtig.«
B: »Aber wir halten Jesus die Treue. Das ist praktisch unsere Verpflichtung.«
A: »Und deshalb müssen wir sagen, dass er der Messias und Gottessohn ist.«
B: »Wir müssen bloß aufpassen, wem wir das sagen.«
A: »Dann können wir auch die Sache mit dem neuen Gott – ach Gott, ich bring’s nicht raus. Es gibt doch nur den einen Gott Jahwe, neben dem es keine anderen geben kann.«
B: »Die Römer haben Dutzende, Paukus.«
A: »Die Römer sind unsere Feinde, Paps.«
B: »Und sie haben uns unterworfen, also sind ihre Götter stärker.«
A: »Na hör mal, so gesehen ist der Gott von Jesus der allerletzte. Der hat seinen Sohn zur Erde geschickt und ihn dort totfoltern lassen.«
B: »Aber er gehört uns, Paukus, und einen besseren haben wir nicht.«
A: »Meinst du, ob Jahwe am Anfang auch so war?«
B: »Bestimmt. Den hat doch der Moses hochgepäppelt.«
A: »Moses war aber ein König.«
B: »Dann müssen wir eben sehen, dass wir auch aufsteigen, Paukus. Das sind wir Jesus schuldig.«
A: »Du wirst sehen, von uns will nie einer was wissen.«
B: »Genauso soll es sein, Paukus. Nicht von uns ist die Rede, sondern von Jesus. Unser Frontmann heißt Jesus.«
A: »Dem kann man ja nun wirklich nichts mehr tun. Der ist schon bestraft. Dadurch haben wir quasi einen Freifahrtschein. Du gibst wir wieder Mut, Paps.«
B: »Paukus, laß dich umarmen. Wir haben einen neuen Gott entdeckt.«
A: »Den einzig wahren Gott.«
B: »Genau, den alleinigen Gott. Wir sind hierzulande schließlich die Untoleranten. Unseren Gott gibt’s als einzigen, und es gibt keinen anderen neben ihm.«
A: »Wir wollen ja nicht solche Dutzendware wie die Römer.«
B: »Und den ollen Jahwe können die ollen Priester sich an den Hut stecken.«
A: »Nicht so laut, Paps. Wir sollten sowas nur ganz leise sagen.«
B: »Wir sagen gar nichts, denn das sagt alles Jesus.«
A: »Aber er hat doch gar nicht … ach so, ich verstehe.«
B: »Manchmal muß man das ungesprochene Wort deuten, um die Wahrheit zu erkennen.«
A: »Du kannst das immer so schön ausdrücken, Paps. Ich hab jetzt nur noch wegen einer einzigen Sache Kopfschmerzen.«
B: »Wieso, wir machen alles klammheimlich, und wenn einer fragt, kommt alles von Jesus.«
A: »Das meine ich aber nicht, Paps. Sag doch selber, wie du das findest: Gott schickt seinen Sohn hernieder und läßt ihn totfoltern, um seine Message rüberzubringen. Und die Message heißt Weltuntergang. Das sollen die Leute uns abkaufen?«
B: »Erstmal kaufen sie es Jesus ab, und wir vermitteln die Botschaft nur. Und zum Zweiten müssen wir den Weltuntergang tiefer hängen, das hast du selber gesagt. Gott muß ja gar nicht mehr herniederkommen, weil Jesus schon da war.«
A: »Aber wo bleibt dann die Message? Was will der neue Gott überhaupt?«
B: »Paukus, du siehst die Schwachstellen wirklich sehr gut.«
A: »Da haben wir ein Manko.«
B: »Da hat Jesus ein Manko, wolltest du sagen. Aber wir können das Versäumnis ausbügeln. Das sind wir Jesus schuldig. Was hatte er denn am meisten auf dem Herzen, Paukus?«
A: »Naja, die Mädchen. Die hat er gemocht, er konnte sich bloß nie für eine entscheiden.«
B: »So nicht, Paukus. Wir können Jesu Andenken nicht mit solchen Details belasten. Jesus hat uns alle geliebt, nicht wahr?«
A: »Nicht, nachdem wir ihm wegen dem Umsatz Dampf gemacht haben …«
B: »Paukus, sei nicht so engherzig. Du mußt dein Herz weit machen …«
A: »… und die Mädchen lieben? Da kennst du meine Frau schlecht …«
B: »… und Jesus lieben. Jesus liebt uns, wir lieben Jesus. Paß auf, ich sag‘ dir was. Nächstenliebe, das ist es! Unser Gott ist ein Gott der Liebe!«
A: »Sag‘ nicht sowas, Paps. Das ist ja genau das Gegenteil vom Richter, der die Bösen bestraft.«
B: »Na schön, das mit der Strafe behalten wir uns vor. Aber das kommt ins Kleingedruckte, und obendrüber kommt das Gute, das er uns tut. Die frohe Botschaft.«
A: »Indem er uns in den Himmel holt? Weiß der Geier …«
B: »Indem er uns liebt, Paukus. Nächstenliebe heißt die frohe Botschaft, Paukus.«
A: »Du brauchst mich jetzt nicht abzuschmatzen, Paps. Sag‘ doch selber, wer soll vor einem Gott Respekt haben, der alle miteinander liebt? Das macht ja nicht mal diese Schlampe von den Römergöttern, diese Venus. Die liebt nicht jedermann, sondern nur standesgemäß.«
B: »Jesus war aber nicht so. Der hat es mit allen gehabt. Du erinnerst dich an den weiblichen Mitgliederschwund, sobald er tot war?«
A: »Was, so viele? Dann ist es kein Wunder, wenn er nie Zeit hatte, unseren Umsatz hochzubringen … Äh, das mußt du nicht als Kritik auffassen, Paps. Weißt du, ich bin noch nicht richtig an den neuen Gott gewohnt.«
B: »Ich auch nicht. Aber zuviel Liebe ist nicht gut, Paukus, das siehst du ganz richtig. Wir müssen ein Gegengewicht dazu finden.«
A: »Wir müssen uns noch was anderes ausdenken, äh, was anderes entdecken?«
B: »Was könnte uns der Gottessohn weisen? Woran denkst du, wenn du an Jesus denkst?«
A: »Meinst du die Sünden? Aber darüber wollten wir doch nicht mehr …«
B: »Im Gegenteil, Paukus, ganz im Gegenteil. Phantastisch, worauf du immer kommst!«
A: »Worauf komme ich denn, Paps? Willst du mir das nicht verraten?«
B: »Auf die Sünden, mein lieber Paukus.«
A: »Damit hab‘ ich’s überhaupt nicht, weißt du, meine Frau …«
B: »Paukus, Paukus, sei nicht überbescheiden. Diese Rolle hat Jesus schon.«
A: »Demut, ich weiß. Und die frohe Botschaft von der Liebe.«
B: »Und die Sünden – ich meine natürlich das Sündenverbot.«
A: »Ach so? Er hat uns gezeigt, wie man’s nicht machen soll?«
B: »Das lassen wir am besten ganz weg. Einem Gottessohn schaut man nicht zu genau auf die Finger. Es geht darum, die Message zu verstehen.«
A: »Die frohe Botschaft.«
B: »Die Offenbarung. Paukus, Jesus hat uns die Sündhaftigkeit offenbart.«
A: »Da kann ich leider nicht mithalten, meine Frau …«
B: »Paukus, gib es zu, wir sind alle Sünder.«
A: »Sag das bloß nicht meiner Frau, ich bitte dich.«
B: »Es geht um uns alle, die wir an den neuen Gott glauben.«
A: »Also nur wir beide?«
B: »Wart‘ mal ab, bis wir der Gemeinde was davon erzählen.«
A: »Die werden fragen, mit wem sie sündigen sollen.«
B: »Paukus, tu nicht so begriffsstutzig. Wir verkünden ihnen Jesus‘ Gott, und wir offenbaren ihnen ihre Sündhaftigkeit.«
A: »Das brauchen wir ihnen nicht zu sagen. Die wissen selber am besten, wie sündig sie sind.«
B: »Paukus, du willst es dir immer noch nicht eingestehen. Wir brauchen die Sündigkeit, da bist du selber zuerst draufgestoßen.«
A: »Solange du das nicht persönlich meinst … Allmählich begreife ich, worauf du hinauswillst. Also nicht zuviel Nächstenliebe, sonst ist der neue Gott ein Weichei. Pardon, ich wollte sagen, die Leute akzeptieren ihn sonst nicht.«
B: »Respektieren, Paukus, sie müssen ihn respektieren. Ach wo, fürchten sollen sie ihn, richtig fürchten!«
A: »Stimmt, so war’s ja bisher auch, wegen dem Weltuntergang und dem jüngsten Gericht undsoweiter. Aber ich denke, das kommt nun gar nicht? Und wenn es nicht kommt, wo soll dann die Furcht herkommen?«
B: »Von den Sünden, Paukus. Sie sind alle Sünder, und das will der neue Gott genausowenig wie der alte. Ach was, wo wir uns nicht auf den Weltuntergang verlassen können, muß der neue Gott noch viel böser werden. Er liebt sie, aber wenn sie sündigen, wird er ordentlich böse.«
A: »Praktisch genauso wie meine Frau …«
B: »… nur dass die nicht jedermann liebt …«
A: »… wehe wenn doch. Ähem, die Sache mit dem Sündigen kommt ganz gut hin, Paps.«
B: »Das ist ausbaufähig, Paukus. Der alte Jahwe hat das Potential nicht ausgereizt. Oder die Priesterschaft, wie du willst.«
A: »Die haben selber zuviel gesündigt. Sonst wäre unsere Sekte gar nicht hochgekommen. Aber wem sage ich das. Kannst du die Lage noch mal zusammenfassen, Paps?«
B: »Also der neue Gott ist ein Gott der Liebe. Er hat seinen Sohn Jesus auf die Erde geschickt, um uns seine Liebe zu bringen. Und Nächstenliebe, die ganze frohe Botschaft. Aber wehe, wenn es zuviel Liebe ist, das fällt dann unter Sünden. Und mit den Sünden nimmt der Gott es ganz genau. Für diese Botschaft hat sich Jesus geopfert.«
A: »Der Weltuntergang kommt gar nicht mehr vor?«
B: »Nein, besser nicht. Es ist doch schon Jesus gekommen, das reicht erstmal.«
A: »Da bin ich aber erleichtert. Trotzdem ist die Message ein bißchen dünn, findest du nicht? Ich liebe euch, und ihr seid alle Sünder?«
B: »Wir müssen das nur richtig rüberbringen, Paukus. Nachdem wir schon so vieles in Jesus entdeckt haben, werden wir die Kurve schon kriegen.«
A: »Können wir denn noch mehr reininterpretieren, äh, entdecken?«
B: »Entschlüsseln, Paukus. Wir müssen die Zeichen richtig deuten. Ich sag’s dir, die Sünden sind für uns gemacht. O ja, Paukus, ich hab’s! Gott verzeiht uns die Sünden. Wir sind alle Sünder, und wir brauchen Gott, damit er uns verzeiht.«
A: »Ist das denn neu? Steht das nicht schon beim alten Jahwe drin?«
B: »O nein, denn Jesus bringt uns die Sündenbefreiung. Er opfert sich, damit unsere Sünden vergeben werden.«
A: »Paps, entschuldige, aber das ist doch krauses Zeug. Es wird immer abstruser. Überleg‘ mal, Gott ist allmächtig. Warum muß er dann seinen Sohn totfoltern lassen, um seine Botschaft rüberzubringen? Und wenn er uns Menschen gemacht hat, warum hat er uns dann so sündig gemacht, dass er uns deswegen böse sein muß? Das stimmt doch hinten und vorne nicht.«
B: »Vergiß nicht, dass wir Gott gerade erst erfunden haben, sorry, gefunden haben. Außerdem, falls Jahwe uns Menschen gemacht hat, warum sind wir dann nicht fromm und beten immerzu, so wie der alte Jahwe das möchte? Haben die Leute sich da vielleicht drüber beschwert? Nein, haben sie nicht, stimmt’s? Sie wollen sogar noch mehr Nackenschläge. Sie rennen doch den Predigern nach, die ihnen den Weltuntergang versprechen, weil dem Jahwe die ganze Schöpfung mißglückt ist. Es läuft ja alles schief, mit den Römern und den Priestern undsoweiter. Und alle wollen gern sterben, wenn sie in den Himmel kommen …«
A: »… und die anderen in die Hölle.«
B: »Paukus, du sagst mal wieder das Richtige. Gottes Liebe gilt nur uns, den Gläubigen. Die anderen sind Heiden, und die kommen in die Hölle.«
A: »Auch die, die an Jahwe glauben?«
B: »Wenn schon, denn schon. Außer uns zweien sind sie alle heidnisch, basta.«
A: »Paps, wenn wir uns bloß nicht versündigen.«
B: »Da ist Jesus vor. Vergiß nicht, der hat sich für uns geopfert und uns von den Sünden befreit. Nur die anderen sind sündig. Aber wir helfen ihnen …«
A: »Wollte ich gerade sagen, wegen der Nächstenliebe undsoweiter.«
B: »Und damit sie uns alimentieren. Wir brauchen viel Geld, wenn wir unsere Botschaft verbreiten wollen. Jesus‘ Botschaft, meine ich. Die müssen wir überall verkünden.«
A: »Nicht bloß hier in Palästina?«
B: »In der ganzen Welt, Paukus. Nächstenliebe wird überall gebraucht.«
A: »Und gesündigt wird erst recht überall.«
B: »Deshalb wird man überall an Jesus glauben, zumal wir den Gottessohn doch vorzeigen können.«
A: »Stimmt, sonst hat ja keiner was Göttliches vorzuzeigen, insofern sind wir in der ganzen Branche am dichtesten dran. Dass es Jesus gab, weiß hier schließlich jeder. Und wo er nun weg ist, müssen alle Nachfragen an uns gerichtet werden.«
B: »So ist es Paukus, ganz genau. Wir machen das schon. Keiner kann mehr ohne unseren Gott auskommen, sonst bleibt er sündig, und er kommt nicht in den Himmel.«
A: »Den Zutritt zum Himmel überwachen wir, Paps.«
B: »Wir lassen keinen rein, der uns nicht paßt, Paukus.«
A: »Keinen, der uns den Zehnten verweigert.«
B: »Paukus, das ist wirklich eine frohe Botschaft. Gesündigt wird immer und überall, und wir kassieren für die Sündenbefreiung. Hör mal, wir könnten noch eins draufsetzen. Wir könnten die Gläubigen belauschen und ausspähen, um einen besseren Überblick über ihre Sünden zu bekommen.«
A: »Wie willst du denn das anstellen, Paps? Die werden uns doch nicht ihre Sünden beichten?«
B: »Und warum nicht? Wenn der neue Gott die Beichte verlangt?«
A: »Du spinnst, Paps, das lassen die sich nie und nimmer gefallen. So blöd kann doch keiner sein.«
B: »Wahrscheinlich hast du recht, Paukus. Egal, mit der neuen Message sind wir gemachte Männer. Mit der frohen Botschaft von der allgemeinen Sündhaftigkeit wird unsere Sekte nicht lange brauchen, um eine richtige Kirche zu werden. Natürlich ist Jesus der Star, keine Frage. Aber weißt du, ich würde auch gern meinen Namen irgendwo draufpappen. Vielleicht könnte man eine gehobene Kirchenposition nach mir nennen?«
A: »Paps, das hast du verdient, nachdem du das so schön ausklabüsert hast. Wenn wir das so toll wuppen, möchte ich auch gern eine Ehrung abbekommen. Vielleicht als Berichterstatter, oder wie sagt man, Apostel?«
B: »Paukus, von Herzen gern. Aber du wirst sehen, genauso wie wir Jesu Agenda aufpeppen, werden die garantiert auch unsere Namen verdaddeln.«

Paukus und Paps

3 Responses to “Wie das wohl zuging”


  1. 1 Linus Heilig Juli 20, 2010 um 4:02 pm

    Mein Gutschdor,
    wiederum, genau so wars. Man könnte meinen, du hättest wie B16 dein lebenlang Exegese betrieben. Die Missachtung von Details, wie die Unteschlagung der Auslegung der Fegefeuers (Vorhölle), seien dir am Jüngsten Tage vor dem Jüngsten Gericht von IHM verziehen, ich tue es nicht. Hier ist das Argument „in der Kürze liegt die Würze“ eine scheinheilige Ausrede. Wie erklärt man sich sonst so hervorragende christliche Höllen-Kunstwerke?

    Dennoch, genauso realistisch und unterhaltsam hat Horst Jüssen (der leider verstorbene aus Klimbim) in seinem Roman „Jeschua“ (Ewertverlag 2001) die Begebenheiten vor deinem Zwiegespräch Paukus/Paps beschrieben. 444 Seiten, ich bin auf Seite 283 und beeile mich. Beim nächsten Treffen bringe ich das Buch mit.

  2. 2 dubiator Juli 20, 2010 um 5:25 pm

    Lieber Linus,
    Deine Kritik betreffs der Weglassung des Fegefeuers betrifft mich nicht. Der Text ist (s.o.) nicht von mir. Aber es freut mich genauso, dass er Dir gefällt.
    Vielleicht äußert sich der Verfasser selbst auf dieser Kommentarseite noch dazu.
    Außerdem ist die Hölle von MSS sehr realistisch beschrieben worden. („Stollbergs Inferno“, das ich in diesem Zusammenhang wärmstens empfehlen möchte.)

  3. 3 Linus Heilig Juli 20, 2010 um 6:58 pm

    `Zefix Rainer,

    war wohl heute wieder zuviel an Information, da lässt die Aufmerksamkeit nach. Ich habe dir tatsachlich unterstellt, dich hinter dem HiFi Teifi Pseudonym zu verstecken und als Gast im eigenen Blog zu „erscheinen“, den Link habe ich übersehen. Wir treffen uns bei Stollbergs zwecks Wiedergutmachung.


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Falls Du glaubst, Denken und Glauben schlössen einander nicht aus, bedenke deinen Glauben! Es gibt keine Götter – Gott sei Dank. Glaube ist der Sieg des Wunschdenkens über die Vernunft. Allein mit diesen drei harmlosen Sätzen errege ich gewiß bei vielen von euch Anstoß – und das nach über zweihundert Jahren Aufklärung! Aber Anstoß erregen heißt auch etwas anzustoßen. Und genau das möchte ich: ein wenig zum Denken, ein wenig zum Zweifeln.
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