Himmlische Drops gegen Heidenlärm

Alle Jahre wieder fällt der höchste exklusive evangelische Feiertag, das Reformationsfest, zusammen mit dem Vorabend des katholischen Allerheiligen-Festes, Halloween genannt und durchaus heidnisch-keltischen Ahnenkults verdächtig. Zwei Festivitäten an einem Tage sind ja für gewöhnlich zu ertragen, allzu sichtbar trifft hier aber Glaube auf Aberglaube, so dass sie kaum zu unterscheiden sind, trifft Gottesdienst auf Hexenparty, trifft saure Askese auf süßen Genuss. Was für ein Ärgernis!

LutherLeuchtkürbis

Die ausgelassene Bande kleiner Monster, Gespenster und Kürbisgesichter hat offenbar einen Heidenspaß daran, an den Haustüren mit dem Schlachtruf „Süßes oder (es gibt) Saures“ und einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein diverse Naschereien einzufordern. Mancherorts sollen sie schon die Kirchenglocken übertönt haben.
Nun, die Macht, dem katholisch-heidnischen Treiben Einhalt zu gebieten, hat die evangelisch-lutherische Kirche nicht (mehr). Also greift sie abermals zu ihrer seit Jahrhunderten bewährten Strategie der Anpassung:
Ein findiger Pastor aus Hamburg kreiert, gewissermaßen als gelungene Synthese beider Anlässe, kurzerhand das Lutherbonbon (süß-sauer) und rät, es den kleinen Quälgeistern mit einem dezenten Hinweis auf die Verdienste des Reformators als Halloween-Gabe zu präsentieren. Wer weiß, ob es nicht gar geeignet ist, ihnen den Teufel ganz auszutreiben, so man es vorher weiht?
Sollte diese milde Gabe dann noch immer nicht zur Befriedung führen, stopfe man der Rasselbande mit dem gleichfalls von ihm erfundenen Lutherkeks (ebenso nahrhaft wie mehlhaltig) das Maul.
Ob jedoch die verwöhnte Bande nicht dennoch der Mozartkugel den Vorzug gibt, bleibt abzuwarten.

Bildernachweis:
1 Lucas Cranach d.Ä.: Martin Luther – gemeinfrei
2 A Jack o‘ Lantern made for the Holywell Manor Halloween celebrations in 2003. Photograph by Toby Ord on 31 Oct 2003.

3 Responses to “Himmlische Drops gegen Heidenlärm”


  1. 1 Simon Oktober 27, 2010 um 11:23 am

    Was haben diese Christen immer gegen heidnische Bräuche. Wenn ihr schon die Zeiten für die Feiertage von anderen Religionen übernehmt, dann dürft ihr euch nicht beschweren, dass an euren Feiertagen noch andere Feste stattfinden

  2. 2 ohno November 2, 2010 um 4:10 pm

    „allzu sichtbar trifft hier aber Glaube auf Aberglaube, so dass sie kaum zu unterscheiden sind“ – das hört sich ja so an, als ob Glaube und Aberglaube irgendwie gegensätzlich wären.


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Falls Du glaubst, Denken und Glauben schlössen einander nicht aus, bedenke deinen Glauben! Es gibt keine Götter – Gott sei Dank. Glaube ist der Sieg des Wunschdenkens über die Vernunft. Allein mit diesen drei harmlosen Sätzen errege ich gewiß bei vielen von euch Anstoß – und das nach über zweihundert Jahren Aufklärung! Aber Anstoß erregen heißt auch etwas anzustoßen. Und genau das möchte ich: ein wenig zum Denken, ein wenig zum Zweifeln.
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