Der Jesuswahn

Heinz-Werner Kubitza: Der Jesuswahn
Untertitel: Wie die Christen sich ihren Gott erschufen
Tectum Verlag Marburg 2011
ISBN: 978-3-8288-2435-5

Cover Der JesuswahnDer Untertitel dieses Buches könnte auch lauten: Sukzessive Apotheose eines gescheiterten Wanderpredigers.
Mit hoher Fachkompetenz und bewundernswerter historischer und religionswissenschaftlicher Genauigkeit weist Dr. Heinz-Werner Kubitza den Hergang jener Konstruktion nach, der Christen wie Nichtchristen gemeinhin als Bild Jesu Christi geläufig ist. Der Mann weiß, wovon er schreibt, er ist von Hause aus Theologe. Und er weiß, wie man schreibt, um auch den interessierten Laien zu fesseln, getreu dem Grundsatz: Wer etwas zu verschleiern sucht, gerät gewöhnlich ins nebelhafte Schwurbeln, wer hingegen etwas zu sagen hat, kann es deutlich und klar ausdrücken. Und so liest sich das Buch bei aller wissenschaftlichen Korrektheit streckenweise wie ein spannender Enthüllungskrimi, zuweilen gar mit einer Prise hintergründigem Humor gewürzt. Der Autor setzt beim Leser keineswegs so etwas wie Bibelfestigkeit voraus, alle relevanten Stellen zitiert er im laufenden Text, so dass der Lesefluss nicht unterbrochen wird. Sollte sich zuvor jemand durch Benedikts Jesus von Nazareth gequält haben: Hier findet er nach geistlichem Weihrauchdunst Entspannung an der geistigen frischen Luft.
Es gibt bereits eine Reihe Veröffentlichungen zu Kubitzas Buch, so dass ich mir hier nähere Ausführungen zum Inhalt erspare (s. Links).
Das Fazit lautet: Obwohl sehr wahrscheinlich auf einer historischen Person fußend, ist auch der Gott Jesus Christus, wie alle Götter, nichts anderes als ein Produkt menschlichen Wunschdenkens und menschlicher Einbildungskraft. Und er ist alles andere als der Verkünder einer zeitgemäßen Ethik.
Übrigens: Im Verlauf der Lektüre musste ich mein gepflegtes Vorurteil gegenüber dem Berufsstand der Theologen revidieren. Ich tat es gern – schließlich bin ich als Naturalist lernfähig.

Website zum Buch
Rezension hpd
Rezension Die Konfessionsfreien
Rezension und Interview herrenzimmer
Denkladen
Podcast-Interview mit dem Autor

16 Responses to “Der Jesuswahn”


  1. 1 Linus Heilig Januar 27, 2011 um 10:34 am

    Das Buch steht im Besten Sinne für „Aufklärung“, wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Deshalb bleibt den exegetischen Wissenschaftlern der „Anderen Seite“ wegen fehlender Argumente nur das Ignorieren der Fakten. Mein Reden, die hohe Kunst der einfachen Wissensvermittlung im evolutionären Wettstreit mit den komplexen Elfenbeinturm-Erkenntnissen. Redliches Schwurbeln bleibt Verarschen. Kubitza statt B16 Rede vor dem Bundestag.

  2. 2 Uwe Lehnert Januar 27, 2011 um 3:08 pm

    „Wer etwas zu verschleiern sucht, gerät gewöhnlich ins nebelhafte Schwurbeln, wer hingegen etwas zu sagen hat, kann es deutlich und klar ausdrücken.“ Wie wahr!

    Kostprobe für theologisches Kauderwelsch gefällig?

    „Der innertrinitarische Logos geht in seinem Personsein ganz und gar darin auf, vom Vater her und auf den Vater hin zu sein und ist gerade so (mit dem Vater zusammen) der Ausgang für den Heiligen Geist. Gerade durch sein Vom-Vater-her- und Auf-den-Vater-hin-Sein ist er also die Ermöglichung von einer Gemeinschaft, die gerade durch Andersheit konstituiert ist. Wenn ein Mensch seine Freiheit so lebt, dass er ganz darin aufgeht, vom Vater her und auf den Vater hin zu sein und gerade dadurch Gemeinschaft ermöglicht, die die Andersheit des Anderen anerkennt, stimmt die Freiheit dieses Menschen in struktureller Hinsicht mit dem Wesensvollzug des innertrinitarischen Logos überein.“

    Dieses schöne, aber nicht untypische Beispiel für theologisches Gestammel, das zugleich erhellt, in welches gedankliche und begriffliche Dilemma die glaubenstreue Theologie als Fach sich verrannt hat, habe ich dem aktuellen Lehrbuch von Klaus von Stosch »Einführung in die Systematische Theologie« (Paderborn 2009; Seite 137) entnommen; es befasst sich mit der so genannten Zwei-Naturen-Lehre, also der Frage, wie Jesus sowohl Gott als auch Mensch sein könne. Den Tipp zu diesem köstlichen Beispiel verdanke ich Bernd Vowinkel, gbs-Köln.

    http://www.uwelehnert.de

  3. 4 jesusandyou Februar 10, 2011 um 12:40 pm

    Wissen Sie überhaupt was Sie da schreiben?

    „Der Untertitel dieses Buches könnte auch lauten: Sukzessive Apotheose eines gescheiterten Wanderpredigers.“

    Seit wann war Jesus ein Wanderprediger? Als Wanderprediger muss man doch wandern. Ist Jesus gewandert oder ist er gepilgert nach Jerusalem? Hatte er nicht seine Freunde besucht? Und hat er sich auf Booten fortbewegt auf dem See oder war dem nicht so? Wenn man von Wandern spricht, dann ist das doch Fortbewegung zu Fuß oder nicht? Und ist er nicht nach seinen kurzen Reisen nach Kafarnaum, zu seiner Heimsstätte zurückgekehrt? Und wie viele Jahre war er in der Öffentlichkeit von seinen 33 Lebensjahren? Wie können Sie also von Wandern sprechen? Verstehen Sie den Begriff „Wandern“ überhaupt?

    Hatte Jesus nur gepredigt oder hatte er die ganze Zeit von sich und seinem Vater erzählt? Ohne Zweifel, er hatte gelehrt, aber waren die Gleichnisse nun Unterweisungen oder Predigten? Ist das Vaterunser eine Predigt oder mehr eine Unterweisung? Sind die Wundertaten nun Predigten? Predigten hatte gehalten, aber diese waren nicht die hauptsächlichen Taten von Jesus.

    Sie sehen also der Begriff Wanderprediger ist nur herablassende Sprücheklopferei.

    Übernehmen Sie bitte keine Begriffe von sogenannten Theologen, die nicht mit Begriffe umgehen können. Sie haben doch einen eigenen Verstand!

    • 5 dubiator Februar 10, 2011 um 5:14 pm

      Lieber jesusandyou,was haben Sie gegen Wanderprediger? Das war doch zu jener Zeit ein ehrenwerter Beruf und ein mühseliger sicherlich noch dazu, denn nicht überall war man willkommen. Wie man heute weiß, gab es damals etliche davon, und es ist sehr wahrscheinlich, dass der historische Jesus einer von ihnen war. Denn einen festen Wirkort hatte er offenbar nicht. Gewiß musste er große Strecken zu Fuß zurücklegen, denn es spricht wenig dafür, dass er sich ein Reittier hätte leisten können. Und was die Benutzung eines Bootes betrifft: Spricht man nicht heute noch gern vom Wasserwandern? Er soll ja sogar einmal zu Fuß übers Wasser…
      Und was das Predigen betrifft: Ist man als Christ nicht besonders stolz auf Jesu Bergpredigt, wo er unter anderem all jenen, die sich nicht an seine Weisungen halten,das ewige Höllenfeuer verheißt?
      Im Rahmen dieser Predigt unterweist er übrigens seine Zuhörer im Beten des Vaterunser, eines Gebets jüdischen Ursprungs.

  4. 6 jesusandyou Februar 10, 2011 um 6:18 pm

    Hallo Dubiator,

    wie Sie bereits wissen hatte Jesus sehr wohl eine festen Wirkort. Das war nämlich Karfanaum. Sie brauchen nur die Evangelien nachzuschlagen, dann werden Sie sehen, wie oft Jesus zu Hause wirkte. Als Jude musste Jesus wie jeder fromme Jude auch an den großen Pilgerfesten in Jerusalem teilnehmen. Dass er dabei einen Umweg gemacht hat und Freunde besucht hatte oder woanders gelehrt hatte ist zeichnet ihn nicht als Wanderer aus. Er hat ein festes Ziel und kehrt heim. In Kafarnaum zahlte er auch Steuern. Ja wo zahlt man wohl seine Steurern? Außerdem hatten die Evangelisten Kafarnaum als Heimstätte bezeichnet. Jesus war also kein Nomade oder Tourist. Er hatte einen festen Wohnsitz.

    Die Bergpredigt ist eine nachträgliche Bezeichnung für die Textestelle im Matthäus-Evangelium weil man es nicht besser zu nennen wusste. Die ganze Texstelle aber ist eine Selbstaussage. Das Vaterunser ist eben nicht eine Predigt. Sondern eine Selbstaussage aber auch ein Gebet. Und das Gebet ist auch nicht jedenfalls nicht in der Version von Matthäus ein jüdisches Gebet. Vielleicht in der Version von Lukas aber nicht in der Form nach Matthäus. Predigt hatte Jesus gehalten, aber er tat Wunder, erzählte Geschichten, und zwar vor allem über sich. Oder haben sie mal jemanden über sich predigen hören sehen? Er taufte, er heilte und redete und vor allem er unterwies.

    Jesus war kein Nomade und war auch nicht hauslos. Und ein Tourist schon gar nicht. Erst recht war er nicht auf Wanderschaft.

    • 7 dubiator Februar 10, 2011 um 7:03 pm

      Meines Wissens stammte er aus Nazareth und war viel in Galiläa unterwegs, auch am Jordan und dem See Genezareth. Aber die Historiker waren ja auch nicht dabei, da gibt es sicher viele Mutmaßungen. Sicher hat er nicht nur gepredigt (lat. praedicatio)sondern war auch als Heiler unterwegs. Aber getauft? Wen, wann , wo?

  5. 8 Linus Heilig Februar 10, 2011 um 9:06 pm

    Ihr Streithähne. Köstlich und bewundernswert, zwei weitere Profi-Exegeten im Laienstand spornen sich gegenseitig zu Höchstleistungen an. Zumindest dieser jahrtausendealte Traditionsberuf stirbt somit nicht aus und füllt weiterhin den trüben Ozean des Wissens. Soll ich meine profunden Kenntnisse im Kaffeesatzlesen beisteuern? Ich garantiere selbsterfüllende Prophezeiungen und Gebetserhörungen, die für den jeweiligen Kontrahenten maßgeschneidert sind und dem Heiligen Buch (Koran inklusive) nicht widersprechen. Eine weitere sehr wahrscheinliche Variante von Jesu Leben und Werk siehe: Horst Jüssen, Jeschua.

    • 9 dubiator Februar 11, 2011 um 8:55 am

      Danke, Linus, Du bringst es auf den Punkt. Ich hab schon im Stillen überlegt: Was t u ich hier eigentlich?! Aber dann hat mich der Spaß am fruchtlosen Streit einfach mitgerissen. Dass gläubigen Menschen aber auch immer der Humor wegbleibt, sobald es um ihre geliebten Wunschphantasien geht.
      Und unserem verehrten jesusandyou empfehle ich: Das Buch von Kubitza einfach mal in Ruhe lesen.

      • 10 dubiator Februar 11, 2011 um 11:07 am

        Nachtrag:
        Wenn ich mir’s recht überlege, komme ich zu dem Schluß, dass Christus wohl doch nicht größtenteils zu Fuß unterwegs gewesen sein muß. Ihm als Gottessohn dürften möglicherweise die wundersamsten Fortbewegungsmittel zur Verfügung gestanden haben. Wahrscheinlich haben das die Evangelisten nur nicht berichtet, um ihre Leser nicht noch mehr zu verwirren.

  6. 11 jesusandyou Februar 14, 2011 um 4:13 pm

    Lieber Kubitza,

    ja ich weiß die langen Diskussionen bringen eh nichts… aber bezüglich Kubitza muss ich noch was hinzufügen: der weißt gar nichts… der versteht nicht einmal den Aufbau des Vaterunsers, ja woraus nimmt er sich das Recht über Jesus zu lästern.

    Das ist nicht eine Frage von Sympathie oder Hass auf Jesus sondern eine reinwissenschaftliche Sache. Wenn er von solch grundsätzlichen Dingen keine Ahnung hat, dann sollte er die Finger davon lassen.

    • 12 Kritikus Juni 27, 2011 um 10:23 am

      Warum eigentlich so gehässig? Wer das Buch von Kubitza gelesen hat, der muss doch eingestehen, dass er recht hat. Und nicht nur er – auch Dawkins und Deschner, diese nur zum Beispiel – kommen zum Schluss, dass wird uns nicht mal auf die vier Evangelien verlassen können. Da wurde zuviel eingeschoben, umgedichtet, gelöscht, hervorgerhoben abgeändert usw, als dass man diese noch als „heilige Schriften“ bezeichnen darf. Das haben aber die Kirchen sich selber zu verdanken.

  7. 13 jesusandyou Februar 14, 2011 um 4:14 pm

    uppss ich meine natürlich Dubiator, in der Eile des Gefechts na ja habe ich mich verschrieben. Muss das auch langsam mit Humor nehmen.🙂

    • 14 dubiator Februar 14, 2011 um 4:35 pm

      Da ist was Wahres dran: Weder maße ich mir an, die Wahrheit noch die Weisheit gepachtet zu haben.
      Und ne Prise Humor, lieber jesusandyou, ist doch schon mal’n Schritt in die tolerante Richtung.

  8. 15 Linus Heilig Mai 21, 2011 um 10:32 am

    Ne Prise Wahrheit mit Humor am geweissagten wieder Weltuntergangstag. Der Jesuswahn S. 191 und die Auferstehungslegende. „Frauen waren nicht zeugnisfähig“. Wohl weil nur sie den wahren Zeuger kennen.


  1. 1 Christologie – stark verdichtet « no heaven – only sky Trackback zu Februar 2, 2011 um 9:00 am

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




Anstößige Denk-Anstöße

Falls Du glaubst, Denken und Glauben schlössen einander nicht aus, bedenke deinen Glauben! Es gibt keine Götter – Gott sei Dank. Glaube ist der Sieg des Wunschdenkens über die Vernunft. Allein mit diesen drei harmlosen Sätzen errege ich gewiß bei vielen von euch Anstoß – und das nach über zweihundert Jahren Aufklärung! Aber Anstoß erregen heißt auch etwas anzustoßen. Und genau das möchte ich: ein wenig zum Denken, ein wenig zum Zweifeln.
Januar 2011
M D M D F S S
« Dez   Feb »
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31  

Top-Klicks

  • Keine

Enter your email address to follow this blog and receive notifications of new posts by email.


%d Bloggern gefällt das: