Islam und Aufklärung

Unter dem Titel „Das Licht des Wissens“ erklärt uns Monika Maron im SPIEGEL Nr. 4/2011 S. 104 ff, was von Lessing und Moses Mendelssohn über den Umgang mit dem Islam zu lernen ist.
Der Essay ist durchaus lesenswert, obgleich man nicht mit allem einverstanden sein muss, was sie da schreibt. Insbesondere der Gedanke an „aufgeklärte Religionen“ bereitet mir Bauchschmerzen und wäre es wert, einmal gründlich untersucht zu werden, denn die berühmte Ringparabel vom friedlichen und gleichberechtigten Zusammenleben der drei großen Religionen bleibt ein (frommer?) Wunsch. Schuld daran sind weder Lessing noch der in der Figur Nathans des Weisen von ihm verewigte Moses Mendelssohn, sondern vor allem Wesen und Charakter der Religionen selbst, deren Sache Toleranz nun einmal nicht ist, auch wenn unterdessen die eine oder andere das von sich behauptet. Funktion und Selbstverständnis der Religion ist es nun einmal von Alters her, große Menschengruppen, ursprünglich Stämme, beieinander zu halten, ideologisch auszurichten und gegenüber anderen Gruppen (den Bösen, den Heiden, den Ungläubigen) abzugrenzen. Und das trifft beileibe nicht nur auf den Islam zu.
Auch die Trennung von Kirche und Staat, die Frau Maron zu Recht als eine große Errungenschaft der Aufklärung preist, ist ja in Deutschland alles andere als verwirklicht und wird beileibe nicht nur vom Islam vehement abgelehnt.
Den letzten Absatz ihres Essays jedoch halte ich für absolut bemerkenswert und wünsche ihm weite Verbreitung:

Wir brauchen die Solidarität der Aufgeklärten. Unsere Antwort auf den Islam kann nicht die Rückbesinnung auf den christlichen Glauben sein, wie es die Kanzlerin empfohlen hat. Unsere Antwort finden wir bei den großen Aufklärern Lessing und Mendelssohn, bei Wilhelm von Humboldt und Rahel Varnhagen. Wir brauchen die Solidarität und Freundschaft aller, die für ein freiheitliches, säkulares Europa streiten, unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Glauben. Unser Beistand gilt denen, die um eine Freiheit kämpfen müssen, die zu den Selbstverständlichkeiten unseres Lebens gehört und die wir zu verteidigen haben.

Der vollständige Essay Das Licht des Wissens jetzt auf SPIEGEL-online

2 Responses to “Islam und Aufklärung”


  1. 1 Cem Üründül Januar 29, 2011 um 3:53 pm

    Warum ist der Islam ein Problem? (Ein Erklärungsversuch)Siehe Blog


  1. 1 Gretchenfrage « no heaven – only sky Trackback zu März 19, 2011 um 2:09 pm

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Falls Du glaubst, Denken und Glauben schlössen einander nicht aus, bedenke deinen Glauben! Es gibt keine Götter – Gott sei Dank. Glaube ist der Sieg des Wunschdenkens über die Vernunft. Allein mit diesen drei harmlosen Sätzen errege ich gewiß bei vielen von euch Anstoß – und das nach über zweihundert Jahren Aufklärung! Aber Anstoß erregen heißt auch etwas anzustoßen. Und genau das möchte ich: ein wenig zum Denken, ein wenig zum Zweifeln.
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