Leibniz war kein Butterkeks

Faszinierend: Dank rechtzeitiger Vorbestellung liegt es am heutigen Erscheinungstag auf meinem Tisch:

Buchcover LeibnizMichael Schmidt-Salomon
& Lea Salomon

Leibniz war kein Butterkeks
Den großen und kleinen Fragen der Philosophie auf der Spur

Pendo Verlag  München 2011
ISBN 978-3-86612-280-2
Hardcover, 288 Seiten

Für eine anständige Rezension ist es natürlich noch zu früh, aber ein erstes Durchblättern bestätigt meine Erwartung: So wahrhaftig und dabei leichtfüßig kommt Philosophie nur ganz selten daher.


Ein Zitat (S. 134), das ich gern auf die Lektüre dieses Buches anwenden möchte:
„Du kannst dein Essen achtlos herunterschlingen, ohne wirklich mitzubekommen, was du zu dir nimmst. Du kannst aber auch sehr achtsam essen und die vielen feinen, unterschiedlichen Geschmacksnuancen wahrnehmen, die selbst eine einfache Speise wie ein Brot bietet. Durch Achtsamkeit wird aus einer schlichten Nahrungsaufnahme ein sinnlicher Genuss – ein Erlebnis, das uns mit Lebensfreude erfüllt.“
Auf den ersten und zweiten Blick: Eine absolute Empfehlung als Geschenk für junge Leute, zum Beispiel zur Jugendweihe – aber natürlich auch zur Konfirmation, warum denn nicht!

Nähere Informationen auf der Website des Buches

Rezension und Bezugsempfehlung

Rezension: Philosophische Knabbereien

hpd-Interview mit den Autoren

Rezension hpd

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Michael Schmidt-Salomon im zdf-nachtstudio 20.03.11 (ab Minute 46)

Lesung MSS und Lea

Rez. von Markus C. Schulte von Drach in Süddeutsche

Beim Lesen des Vorwortes kommt mir eine Idee: Warum erst rezensieren, wenn ich damit durch bin? Dann gibt es garantiert bereits eine Menge hervorragender Kritiken von weitaus klügeren Köpfen verfaßt als dem meinen.
Das Buch ist in Dialogform geschrieben, also trete ich doch einfach mal gleich beim Lesen in einen Dialog mit dem Buch – so wie man gewöhnlich bereits während des Speisens den Braten preist oder das Haar aus der Suppe fischt, um im obigen Bilde zu bleiben. Ich werde also in den kommenden Tagen an dieser Stelle einige Gedanken zum Buch äußern, so wie sie mir (hoffentlich) beim Lesen in den Sinn kommen, ungeordnet aber dafür frisch wie ein guter Butterkeks.
Und da fällt mir auch schon ein Satz auf, der das Zeug zum Geflügelten Wort hat:
…Nachdenken ist nicht nur vernünftiger als Nachbeten, es macht auch viel mehr Spaß!“ (Vorwort, S. 11)

Ein allgemeinverständliches philosophisches Buch, völlig frei von irgendwelchem transzendentalen Gefasel – wie gut das tut. Dabei entbehrt der launige Plauderton keineswegs der Tiefe:
„…hätte Kant neben seiner skandalösen Religions- und Ideologiekritik auch noch eine Evolutionstheorie entworfen, wäre der Königsberger Philosoph wohl zu Königsberger Klopsen verarbeitet worden…“ (S. 33)
Hinter diesem schwarzhumorigen Satz schaut doch die jahrhundertelange Tragik der Wissenschaftsfeindlichkeit mächtiger klerikaler Dogmatiker hervor, die sich bis heute modernen Erkenntnissen verweigern und, hätten sie noch immer die Macht dazu, nicht davor zurückschreckten, diejenigen physisch zu vernichten, die diese Erkenntnisse öffentlich vertreten.

Der Autor zitiert Ludwig Wittgenstein: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.“ (S. 34f) Ooh, was bliebe uns an Schwachsinn erspart, könnten sich die Menschen daran halten! Oder, um es etwas moderner mit Dieter Nuhr auszudrücken: „Wenn man keine Ahnung hat einfach mal Fresse halten!“

Vor gefühlten Jahrhunderten, während meines Studiums, las ich o.g. Kant – und verstand so gut wie nichts, am allerwenigsten das Ding mit dem Ding an sich; das Ding für mich stand mir offenbar damals schon näher (Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.). Wie Lea und Michael über die Welt an sich und ihren Unterschied zur Welt für uns debattieren – das endlich leuchtet mir ein. Sollte ich noch einmal zu dem alten Königsberger greifen?

Eine besondere Freude beim Lesen stellt sich ein, wenn ich hier nach und nach all die treffenden, pointierten Formulierungen Michael Schmidt-Salomons aus seinen Interviews und Talkshows wiederfinde, wie zum Beispiel solche über das merkwürdige Verhältnis von Wissen und Glauben; einerseits innerhalb des Individuums:
„Im Alltag agieren diese Menschen absolut vernünftig, doch sobald es um Fragen der Religion geht, setzt bei ihnen irgendwie der Verstand aus. Wie sonst soll man erklären, dass es Frauenärzte gibt, die sechs Tage die Woche einen tollen Job machen, aber am siebten Tag an die ‚jungfräuliche Geburt‘ glauben?“ (S. 40)
und andererseits zwischen verschiedenen Individuen:
„Ein Wissenschaftler weiß, dass er etwas glaubt, was ihm heute gültig erscheint, vielleicht aber schon morgen widerlegt ist. Ein Gläubiger hingegen glaubt, dass er tatsächlich etwas weiß, was noch übermorgen gültig sein wird, obwohl es in der Regel schon heute widerlegt ist.“ (S. 41)
Wer von uns mit Gläubigen debattiert, merkt in der Regel sehr bald, dass sie, was ihre Glaubensfragen betrifft, sachlichen Argumenten kaum zugänglich sind. Hier scheint mir der Hinweis auf Sokrates sehr nützlich: Versuchen wir doch einmal wie er mittels scheinbar naiver Fragen das vermeintliche Wissen unserer Gesprächspartner und Belege für ihre Überzeugungen herauszukitzeln, möglichst so lange, bis sie sich in ihrem eigenen Garn verheddern. Allerdings werden auch wir damit wahrscheinlich nicht nur Freunde gewinnen. Allzuviel hat sich eben doch nicht geändert in den letzten rund zweieinhalbtausend Jahren.

MSS‘ unschlagbare Argumentation, die Bonmots, die anschaulichen, die launigen Beispiele – so muß Philosophie daherkommen, damit sie für viele lesbar, ja spannend wird und in der Lage ist, Menschen zum Nachdenken anzuregen, die bisher über sowas nicht nachgedacht haben – ich denke dabei vor allem an jüngere Leute.
Und diesen inhaltlich starken Tobak so locker zu schmauchen, das zeugt schon von ein wenig Meisterschaft.

Für so manchen unserer Zeitgenossen mag der Gedanke schmerzlich oder schwer zu ertragen sein, aber
„Wir nehmen uns als Spezies viel zu wichtig!“ Die Religionen „…sind bei genauerer Betrachtung Manifestationen eines kaum noch steigerungsfähigen Größenwahns.“ (S. 52)
Wie klein und ohnmächtig wir dem Universum gegenüberstehen, wird gerade mit den schrecklichen Katastrophen in Japan mehr als deutlich. Hier stieß ich gerade über fb auf einen sehr klugen Satz von Florian Freistetter (Astrodicticum Simplex): „Die Erde wurde nicht als Paradies für uns Menschen geschaffen – sie ist ein aktiver Planet und es kümmert sie herzlich wenig, ob diese geologische Aktivität für uns Menschen unangenehm ist.“
Und eines kommt laut Lea und Michael noch dazu:
„Kann eine … Kombination aus höchstem technischen Know-how und naivstem Kinderglauben auf Dauer gut gehen? Wohl kaum. Wir verhalten uns wie Fünfjährige, denen man die Verantwortung über einen Jumbojet übertragen hat! Von daher ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis es richtig kracht.“ (S. 78)

In einem wahren Parforceritt galoppieren die beiden durch die Evolutionsbiologie, gemeinsam mit Gepard, Windhund, Faultier, Chamäleon, Pfau und Löwe auf den Spuren der künstlichen, natürlichen und sexuellen Selektion hin zum unterschiedlichen Partnerwahlverhalten von Frauen und Männern. Allerdings denke ich, als „Messlatte“ wird der Penis im allgemeinen maßlos überschätzt. (vgl S. 86ff)
Sodann kommen sie zu dem Schluss: „Einerseits könnte man sagen, das Leben sei ‚viel Lärm um nichts‘, anderseits ist es jedoch das Bedeutsamste, das wir überhaupt kennen. Sinn und Unsinn des Lebens gehen Hand in Hand.“ (S. 104)
Unverzüglich spüren sie der kleinen und großen Sinnfrage nach, recht originell am Beispiel einer Straße und ihres unterschiedlichen Sinns für Menschen und für Raben.
„...auch ein ‚unsinniger Sinn‘ ist immer noch besser als gar keiner! (S. 112) Ein Satz, den ich in Frage stellen möchte, denn unter verordnetem oder auch selbstgewähltem unsinnigen Lebenssinn, besonders wenn er in Fanatismus ausartet, wurde schon sehr viel, bisweilen katastrophaler, Unsinn verzapft.
Beruhigend dann wieder, nach einem Exkurs über das Verhältnis von Wissen und Weisheit, das Fazit dieses Kapitels:
„Auf jeden Fall reicht das, was wir über die Welt in Erfahrung gebracht haben, aus, um die paar Jahrzehnte, die wir auf diesem Erdball verbringen, in einer beglückenden, fairen und würdevollen Weise über die Runden zu bringen. Und das ist es doch, worum es bei der Frage nach dem ‚Sinn des Lebens‘ letztlich geht.“ (S. 123)

Freilich enthält das Buch Religionskritik. Die ergibt sich zwangsläufig, wenn man die Welt von einem realistischen, naturalistischen und humanistischen Standpunkt aus betrachtet. Und sie ist auf alle Fälle so lange notwendig, wie es religiös gesteuerte Mörder oder katholische Bischöfe gibt, die solche menschenverachtende Absurditäten predigen wie „Ethik des Leidens“ oder „Heil bringender Schmerz“.

Was wäre eine philosophische Debatte ohne die Frage nach dem Glück? Die ganze siebzehn Seiten kurze Diskussion über die drei Glücksstrategien Hedonismus, Selbstverwirklichung und Engagement für eine größere Sache enthält mehr sinnvolle Hinweise zur Lebensgestaltung als so mancher Glücks-Wälzer aus dem Ratgeber-Regal. Des Schwertes Zweischneidigkeit solcher Strategien lassen die beiden dabei keineswegs außer Acht. Aber (glücklicherweise?) hängt unser Glück im Leben mitnichten allein von uns selbst ab. Zwar heißt es, ein jeder sei seines Glückes Schmied, aber nur allzu oft schlägt der Blitz in die Schmiede ein, sei es nun zufällig oder wegen des vielen Eisens. Und daher fällt das Fazit der Debatte zwar nicht geradezu euphorisch, aber immerhin tröstlich aus:
„Das Leben ist ungerecht! Daran gibt es keinen vernünftigen Zweifel. Die Frage ist nur, wie wir mit dieser Tatsache des Lebens umgehen, ohne an ihr zu verzweifeln…“ (S. 142)
Dieses sympathische Buch erhebt eben nicht den Anspruch, auf jede Frage eine Patentantwort bereitzuhalten.
Zu dem Satz „Eine gesicherte Existenz ist noch lange keine glückliche Existenz.“ (S. 128) fällt mir ein historischer Beleg ein: Unter anderem mag es auch das gewesen sein, was im Vorfeld von 1989 so viele DDR-Bürger aufbegehren ließ (wobei unsere Existenz in der DDR natürlich nur scheinbar gesichert war).

Richtig spannend wird es, wenn es um das Problem der nicht vorhandenen Willensfreiheit geht:
Wie, ich habe keinen Grund, auf mich stolz zu sein, weder auf meine Schönheit noch auf mein Talent, ja nicht einmal auf meine schwer erkämpften Leistungen und Erfolge?
Und ich hätte nicht die Wahl, nach der Disco betrunken Auto zu fahren oder nicht?
Und wie ist das mit meiner Schuld, wenn ich dann einen anderen Menschen schädige?
Hier werden herkömmliche und weit verbreitete Denkmuster gehörig über den Haufen geworfen – zu unser aller Nutzen, wie sich schließlich zeigt, denn
„Man wird entspannter, wenn man sein eigenes Selbst nicht mehr ganz so tödlich ernst nimmt.“ (S. 157) und
„Ich bin überzeugt, dass wir viel fairer und freundlicher miteinander umgehen würden, wenn wir unsere Neigung zu stolzer Selbstüberschätzung überwinden könnten.“ (S. 160)
Ja, mehr Bescheidenheit und mehr Gelassenheit täte einem gedeihlichen Zusammenleben unserer Artgenossen auf diesem kleinen Planeten doch sicherlich gut, oder?

Das Buch könnte auch den Untertitel tragen Einführung in die Kunst des Lebens. Die Autoren bleiben nicht bei dem Rat stehen, mutig den eigenen Verstand zu gebrauchen (nach Kant), sondern setzen sich leidenschaftlich für das Recht des Menschen auf Unvernunft ein. Das ist nur konsequent, geht man von einem realistischen, evolutionären Menschenbild aus: Wir sind halt nicht nur kopf- sondern zu einem Gutteil eben auch „bauch“gesteuert.
„…ich habe das verdammte Recht, unvernünftig zu sein! Und niemand sollte mir dieses Recht abstreitig machen – zumindest nicht, solange kein anderer Mensch durch meine Unvernunft gefährdet oder über Gebühr … in Mitleidenschaft gezogen wird.“ (S. 187)
Das betrifft sowohl unter Umständen gesundheitsschädliche „Laster“ wie Rauchen, Alkohol- oder Drogenkonsum aber eben auch Liebe, Leidenschaft und Intuition, die überhaupt erst so etwas wie Kreativität hervorbringen. Für sich selbst das rechte Maß zu finden und möglichst zur rechten Zeit die kontrollierende Vernunft einzuschalten – genau darin besteht die Kunst.
Und sie gehen noch einen Schritt weiter, indem sie eine Lanze brechen für die freie Entscheidung des Individuums für ein gutes Leben bis hin zu einem guten, ja auch selbstbestimmten Sterben. (vgl. S.198ff)
„Wir brauchen eine Medizin, in deren Mittelpunkt der ‚kranke Mensch‘ – nicht das ‚kranke Organ‘ – steht, eine Medizin, die ‚zwischen sinnvoller Lebensverlängerung und qualvoller Sterbeverzögerung zu unterscheiden vermag‘! Wenn die Ärzte endlich einsehen, dass es nicht ihre Pflicht ist, unbedingt Leben zu erhalten, sondern dass ihnen unter Umständen auch die Aufgabe zufällt, ihren Patienten zu helfen, würdevoll aus dem Leben zu scheiden, würde das viel Leid ersparen.“ ( S. 205)

Nach der Betrachtung individueller Weltanschauung geht es im letzten Teil des Buches um Fragen des Zusammenlebens der Menschen, also um soziale und ethische Probleme.
Da „die Götter immer nur so klug und vernünftig (waren) wie die Menschen, als deren Phantasiegebilde sie erschaffen wurden“ (S. 213), können auch die beliebten Zehn Gebote der Bibel für uns heute keinen gültigen Moralkodex mehr darstellen. Überhaupt sei es an der Zeit, das überaus verbreitete konventionelle Denken in ethischen Fragen zu überwinden, um zu einer konsequenten Anwendung des Prinzips der gleichen Berücksichtigung gleichrangiger Interessen (S. 217) zu gelangen, einschließlich einer Ethik, die über die Interessen unserer Spezies hinausgeht. Die Beantwortung aktueller Fragen der Bioethik wird durch die Überwindung konventioneller Moralvorstellungen überhaupt erst möglich. Aber leider „wird die Politik des 21. Jahrhunderts noch immer von Traditionalisten bestimmt, die ausgerechnet von einer 3500 Jahre alten Berggottheit aus dem Ostjordanland Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit erwarten…“ (S. 232f)
Das gilt in diesem Zusammenhang auch für das althergebrachte Schema von Gut und Böse, das auf der Gruppendynamik nach innen und Gruppenaggressivität nach außen gründet und das in der Geschichte der Menschheit unermesslichen Schaden verursachte aber dessen ungeachtet noch immer eifrig kultiviert wird:
„Ich meine aber, dass für eine ethische Betrachtung der Welt durch einen Abschied vom Moralismus viel gewonnen wäre: Denn erst wenn wir auf solch nebulöse moralische Begriffe wie ‚gut‘ und ‚böse‘ verzichten, wird unser Blick wirklich frei für das, worum es in der Ethik gehen sollte, nämlich um gerechte, für alle Betroffenen faire Lösungen von Interessenkonflikten. Moralische Empörung verhindert leider allzu häufig, dass wir die ethisch angemessenen Entscheidungen treffen.“ (S. 246)

Im Disput um die allgegenwärtige Forderung nach Toleranz schaffen die Autoren begriffliche Klarheit über die Kategorien Toleranz, Akzeptanz und Respekt und zeigen deren jeweilig angemessene Grenzen auf – unentbehrliche Grundlage für eine ebenso gesittete wie konsequente Auseinandersetzung. Dabei „sollte absolut klar sein, dass Menschenrechtsverletzungen prinzipiell nicht zu tolerieren sind und dass es dabei gleichgültig ist, ob solche Verstöße gegen die Menschlichkeit religiös begründet werden oder nicht! (S. 265f)

Irgendwo im Netz wurde unlängst der Vorwurf laut, evolutionären Humanisten mangele es an einer Utopie, einer Vorstellung, wie die Welt zum Guten hin zu verändern sei. Man lese die letzten vierzehn Seiten (welche ganz nebenbei auch deutlich machen, dass, was klar ausgedrückt auch kurz gefasst werden kann ohne an Substanz einzubüßen).
„Würde ich nicht daran glauben, dass wir die Lebensverhältnisse nachhaltig verbessern können, wäre ich kein Humanist, sondern ein Zyniker.
– …also jemand, der meint, dass man die Welt entweder nicht verbessern muss oder dass man sie gar nicht verbessern kann?
Ja, im ersten Fall resultiert der Zynismus aus einem Mangel an Empathie, im zweiten Fall aus einem Mangel an Phantasie. (S. 273)

Wir müssen uns damit abfinden, dass es keinen ‚Fortschrittsautomatismus‘, kein vorprogrammiertes ‚Happy End‘ in der Geschichte gibt. (S. 275)

Ich bin überzeugt, dass es kein besseres Rezept für eine sinnerfüllte Existenz gibt, als sich der großen Emanzipationsbewegung der Menschheit anzuschließen, die seit Jahrtausenden schon daran arbeitet, aus dieser Welt einen besseren, humaneren, lebenswerteren Ort zu machen.“ (S. 286)
Also: Erinnern wir uns an die uns innewohnende Empathie und bringen wir unsere Phantasie in Schwung!

So, das war’s fürs erste.
In mancher der unterdessen erschienenen Rezensionen lese ich, Michael Schmidt-Salomon sei im Ganzen zu schroff, zu provokativ, seine Religionskritik zu radikal, von „steilen Thesen“ ist gar die Rede. Aber verlangen nicht die enormen, keineswegs so neuen Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht, geradezu ein radikal (heißt: an die Wurzel gehendes) neues Denken und Handeln, das sich konsequent an den Realitäten sowohl der uns umgebenden als auch unserer eigenen Natur orientiert – und eben nicht mehr am übersteigerten Selbstbewusstsein unserer Spezies oder an irgendwelchen wahnhaften Wunschvorstellungen?

Die Lektüre ist beendet, und bevor jemandem mein Endlos-Text all-mehlig auf den Keks geht, verkrümele ich mich lieber, sonst denkt ihr noch, ich hätte einen an der Waffel…


4 Responses to “Leibniz war kein Butterkeks”


  1. 1 Philipp Möller März 10, 2011 um 10:39 pm

    Kann’s nur bestätigen: das Buch ist super, sehr gut verständlich und auch schon für Jugendliche eine echte Empfehlung!

    Phil, gbs )))


  1. 1 Aufruf: Artikel-Sammlung über neues MSS-Buch | Nics Bloghaus Trackback zu März 11, 2011 um 5:10 pm
  2. 2 Geschenke zur Jugendweihe- Geldgeschenke gern gesehen | RSS Verzeichnis Trackback zu März 11, 2011 um 6:32 pm
  3. 3 Leibniz war kein Butterkeks | Nics Bloghaus Trackback zu März 22, 2011 um 5:46 pm

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