Einfache Ethik

Sei dieser Spruch nun von Kant, der Oma oder Konfuzius:
Skulptur Konfuzius
Es ist die einfachste Ethik der Welt.
Und es könnte die wirksamste Ethik der Welt sein, legte man sie allen Kindern ans Herz anstatt des allgegenwärtigen religiösen Schwachsinns in der Welt.
Aber das Einfachste ist wohl am schwersten zu machen.

7 Responses to “Einfache Ethik”


  1. 1 Bruder Spaghettus Mai 9, 2011 um 7:35 pm

    Hier kann ich dir, lieber Piratenbruder, mal nicht zustimmen.
    Klar, die „Goldene Regel“ ist besser als nichts. Aber sie hat ein ganz großes Manko: sie macht die eigenen Wertmaßstäbe zu denen für alle. Ob die aber auch damit einverstanden sind? Ich habe jedenfalls die Nase immer gestrichen voll, wenn Religiöse mir ihre gottgegebenen Werte aufdrücken wollen. Nach der Goldenen Regel wäre das aber völlig richtig.

    Kant hat das erkannt und sie in seinem kategorischen Imperativ weiter entwickelt: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

    Das ist schon mal klar besser. Das beste aber ist für mich das Prinzip des evolutionären Humanismus mit seinem fairen Interessenausgleich. Da ist alles erlaubt, was nicht die Rechte und Freiheiten eines anderen einschränkt. Dort, wo das nicht zu vermeiden ist, muss dann dieser faire Interessenausgleich geschaffen werden. Wird zwar nicht immer leicht sein festzustellen, wessen Interesse berechtigter ist und schwerer wiegt, aber der Weg scheint mir der sympathischte.

  2. 2 Linus Heilig Mai 10, 2011 um 8:46 am

    Der Pirateneinwand ist berechtigt. Betrachten wir die systemische, dualistische und praktizierte Auswirkung der Vereinfachung: Was du willst, dass man dir tu, das füg auch andern zu. Die Maxime aller Diktatoren, Sadomasochisten und sonstiger Psychopathen.

    Der dynamische evolutionäre Humanismus in Richtung Interessensausgleich ist ein Ausweg aus dieser Sackgasse. Und Kant ist ein Kind seiner Zeit. Auf ihn berufen sich inzwischen sogar Religioten und Atomkonzerne. Ihre mit Fehlschlüssen begründeten Dogmen verhindern den dynamischen Interessensausgleich.

  3. 3 dubiator Mai 12, 2011 um 10:02 am

    Hallo, liebe Brüder im Geiste – endlich werden hier mal wieder ein paar Kommentare hinterlassen. Man muß eben ab und zu ein bißchen provozieren, vereinfachen oder sowas, um Kritik hervorzurufen.
    Nun, die goldene Regel ist natürlich nicht das Fundament einer evolutionär-humanistischen Ethik wie wir sie bei MSS finden, da stimme ich euch unumwunden zu. Sie ist nur ein griffiger, eingängiger Spruch (und möglicherweise sogar ein chinesischer, die sind doch sooooo beliebt!) – und mit’m Spruch fang ich erst mal an (frei nach G. Gundermann). Für Kinder, denen ich ja schlecht mit dem Kategorischen Imperativ kommen kann, ist er allemal besser geeignet als das dümmliche Gebetchen „Lieber Jesus, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.“
    Eines klappt aber nicht: Der Umkehrschluß! Aus dem obigen Spruch (nennen wir ihn mal Maxime A) geht eben nicht aussagelogisch zwingend Deine Variante hervor, lieber Linus (nennen wir sie mal Maxime B).
    Ich will das an einem Beispiel festmachen: Getreu der Maxime A klau ich keine Autos, da ich nicht möchte, dass man mir meines klaut. Das trifft sogar auf den Fall zu, dass ich gar nicht im Besitz eines fahrbaren Untersatzes bin (denn wäre ich es, würde ich nicht wollen, dass man es mir klaut). Natürlich wünsche ich mir, dass mir jemand ein Auto schenkt, besonders, wenn ich keins habe. Nach Maxime B müsste ich jetzt eins verschenken, um in den Genuss eines solchen Geschenks zu kommen. Merkt Ihr was? Maxime B stellt einen völlig anderen Sachverhalt dar als Maxime A.
    Und dass sich alle möglichen Leute auf Kant berufen, genauso wie auf Shakespeare, Nietzsche, Goethe oder Einstein, ändert nichts am Wahrheitsgehalt von Kants, Shakespeares, Nietzsches, Goethes oder Einsteins Aussagen.
    So, liebe Freunde – nun frisch gekontert!

  4. 4 step Mai 12, 2011 um 5:44 pm

    Das Argument mit dem geschenkten Auto überzeugt mich nicht wirklich. Der wesentliche Grund, warum wir üblicherweise nicht Autos verschenken, nur um selbst welche geschenkt zu bekommen, liegt darin begründet, daß Autos in unserer Kultur üblicherweise keine soziale Tauschware sind, nicht darin, daß das eine ein Unterlassen und das andere ein Tun ist.

    Die Unterscheidung zwischen Tun und Unterlassen wird von uns intuitiv und fälschlicherweise überbewertet. Das hängt mE damit zusammen, daß es uns – wenn wir nichts tun – leichter fällt, uns nicht als kausaler Urheber (und daher schuldig) zu sehen, insbesondere bei moralischen Dilemmata, wo jede mögliche Handlung problematisch ist.

    Zurück zur Goldenen Regel: Nehmen wir Beispiele aus dem moralisch aufgeladenen Bereich, so sieht man, daß sie auch positiv gelten könnte: Etwa helfe ich Bedrängten, weil ich möchte, daß auch mir in einer solchen Situation geholfen wird. Oder nehmen wir statt des Autos eine typische soziale Tauschware, etwa einen Gruß, einen Geschenk für den Gastgeber oder so etwas.

    Insgesamt sehe ich es allerdings so, daß weder die GR noch der KI geeignet sind, um eine Ethik zu begründen in einer Gesellschaft, die sehr unterschiedliche Grundwerte hat. Die Abstimmung der Grundwerte muß mE – in aufgeklärten Gesellschaften – über die Reflektion und bewußte Abwägung der Interessen erfolgen.

  5. 5 Bruder Spaghettus Mai 13, 2011 um 7:51 am

    Ich denke schon, dass der Spruch von den meisten Menschen in beiden Richtungen interpretiert wird. Aber es ist was dran, an dem, was du sagst. Meiner Meinung nach zeigt das aber nicht auf, dass die Goldene Regel geeignet wäre, als ethische Grundlage zu dienen, sondern eher das Gegenteil. Wenn sie nämlich nur einseitig zu sehen ist, würde sie nichts weiter als ein Verbot darstellen. Ein Verbot, anderen etwas anzutun was man selbst nicht erleben möchte. Sie wertet also ausschließlich negativ. Nicht der mindeste positive Hinweis, was gut wäre zu tun. Hinzu kommt noch, dass selbst das Verbot unzureichend formuliert wäre. Da hat Linus schon recht. Ein Masochist, der gern selbst Schmerzen erleidet, dürfte danach also ohne weiteres anderen auch Schmerzen zufügen und, wenn man die GR als Rechtsgrundlage nehmen wollte, dafür völlig straffrei ausgehen. Solche Beispiele ließen sich haufenweise finden, vom Kleinsten (einer wird gern durchgekitzelt, für eine anderen ist das eine Qual) bis hin zum Größten. Erinnere dich an den Kanibalismusfall, wo jemand gern gegessen werden wollte. Der dürfte dann vorher auch ungestraft andere essen.

  6. 7 Linus Heilig Mai 13, 2011 um 9:39 am

    Noch ne Vereinfachung mit hohem Mitsingwert, eben von Joy Flemming im ZDF MOMA. „Isch bin de liebschte Kerl, wenn mo misch net angreift.“ Jetzt fühlt sich aber einer angegriffen, weil seine (religiösen) Gefühle verletzt wurden. Also als Erstes weg mit dem §166 StGb. Der ex Stuttgarter OB Rommel: Ein guter Politiker muss beleidigungsunempfindlich sein. Unser Rechtswesen ist zum Großteil mit Veleumdungklagen lahmgekegt, weil ein Kleingeist die Behauptung, er hätte die Haare gefäbt, zur Anzeige bringen kann. Lupenreine Demokraten unter sich.

    Als Einstieg in eine kindliche ethische Erziehung taugt die Goldene Regel, mit zunehmendem Erwachsenwerden wird sie immer untauglicher. Dann muss man sich um einen fairen (Uwe Lehnert: redlich) Interessensausgleich bemühen. Der Interessensausgleich ist nicht statisch, hieße ja, eine Evolution findet nicht statt. Bisher gilt: Verträge sind einzuhalten, mögen sie heute noch so absurd erscheinen. Ein systemimmanentes dualistisches Dilemma. Eine dynamische Lösung sehe ich im Jenseits von Gut und Böse (MSS).

    Goldener Mittelweg zwischen ja/nein: Mein Nachbar hat mich gefragt, ob er meine Hacke haben könnte? Da hab ich mir gedacht, geb ich sie ihm, habe ich sie gesehen. Geb ich sie ihm nicht, ist er böse mit mir. Also hab ich ihm gesagt, er soll mich am Arsch lecken (sinngemäßes Plagiat aus Thaddäus Troll, Deutschland deine Schwaben).


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Falls Du glaubst, Denken und Glauben schlössen einander nicht aus, bedenke deinen Glauben! Es gibt keine Götter – Gott sei Dank. Glaube ist der Sieg des Wunschdenkens über die Vernunft. Allein mit diesen drei harmlosen Sätzen errege ich gewiß bei vielen von euch Anstoß – und das nach über zweihundert Jahren Aufklärung! Aber Anstoß erregen heißt auch etwas anzustoßen. Und genau das möchte ich: ein wenig zum Denken, ein wenig zum Zweifeln.
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