Sternstunde der Demokratie

Benedikt XVI eingangs seiner Rede am 22. September 2011 vor dem Bundestag:
„Aber die Einladung zu dieser Rede gilt mir als Papst, als Bischof von Rom, der die oberste Verantwortung für die katholische Christenheit trägt. Sie anerkennen damit die Rolle, die dem Heiligen Stuhl als Partner innerhalb der Völker- und Staatengemeinschaft zukommt.“

Bild: spiegel-online


Aha, also doch nicht als Staats-, wie es im Vorfeld verschiedentlich begründet wurde, sondern als Kirchenoberhaupt spricht der Heilige Vater im Ornat vor Abgeordneten des demokratisch gewählten Parlaments eines sich säkular verstehenden Staates, Papst Benedikt XVI. tritt im Bundestag definitiv als religiöses Oberhaupt auf – ein klarer Verstoß gegen die Trennung von Staat und Kirche.
Und sogleich im folgenden Satz macht er unmissverständlich klar, dass er nicht etwa in geheimer oder diplomatischer sondern in unheimlicher Mission daherkommt: Die politische Einflussnahme auf Völker und Staaten dieser Welt kommt der katholischen Kirche also zu, und ein demokratisches Parlament hat dies gefälligst anzuerkennen! Meine Damen und Herren Abgeordneten, spätestens an dieser Stelle müsste den Saal verlassen, wem Menschenrechte, Demokratie und Meinungsfreiheit höchste Güter sind, denn eine Debatte ist nicht vorgesehen. Stattdessen erheben Sie sich am Ende des Auftritts von den Plätzen und besiegeln Ihre Unterwerfung mit anhaltendem Beifall.
Vorwärts auf dem Weg zurück in den Gottesstaat – alle Macht den Dogmen!
„Ich demonstriere gegen den Papst, weil er eine Gefahr für die Demokratie weltweit darstellt“, (*) äußert der Spanier Martin Sagrera am Rande des Potsdamer Platzes, wo etwa zur gleichen Stunde die öffentliche Meinungsäußerung der Gegendemonstranten und verantwortungsbewusster Abgeordneter rein zufällig durch die Polizei behindert wird.
Unter einem dunklen Stern steht die deutsche Demokratie zu dieser Stunde.

*zitiert nach: diesseits.de

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Anstößige Denk-Anstöße

Falls Du glaubst, Denken und Glauben schlössen einander nicht aus, bedenke deinen Glauben! Es gibt keine Götter – Gott sei Dank. Glaube ist der Sieg des Wunschdenkens über die Vernunft. Allein mit diesen drei harmlosen Sätzen errege ich gewiß bei vielen von euch Anstoß – und das nach über zweihundert Jahren Aufklärung! Aber Anstoß erregen heißt auch etwas anzustoßen. Und genau das möchte ich: ein wenig zum Denken, ein wenig zum Zweifeln.
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