Braucht Gott den Menschen?

Papst Benedikt XVI. im Augustinerkloster in Erfurt am 23.09.2011:

„Braucht der Mensch Gott, oder geht es auch ohne ihn ganz gut? Wenn in einer ersten Phase der Abwesenheit Gottes sein Licht noch nachleuchtet und die Ordnungen des menschlichen Daseins zusammenhält, so scheint es, daß es auch ohne Gott ganz gut geht. Aber je weiter die Welt sich von Gott entfernt, desto klarer wird, daß der Mensch in der Hybris der Macht, in der Leere des Herzens und im Verlangen nach Erfüllung und Glück immer mehr das Leben verliert. Der Durst nach dem Unendlichen ist im Menschen unausrottbar da. Der Mensch ist auf Gott hin erschaffen und braucht ihn.“

Erzalibillas: Fresco en la Capilla Sixtina / CC-Lizenz

Tauschen wir einmal die beiden Hauptbegriffe gegeneinander aus:

„Braucht Gott den Menschen, oder geht es auch ohne ihn ganz gut? Wenn in einer ersten Phase der Abwesenheit des Menschen sein Licht noch nachleuchtet und die Ordnungen des göttlichen Daseins zusammenhält, so scheint es, daß es auch ohne Mensch ganz gut geht. Aber je weiter die Welt sich vom Menschen entfernt, desto klarer wird, daß Gott in der Hybris der Macht, in der Leere des Herzens und im Verlangen nach Erfüllung und Glück immer mehr das Leben verliert. Der Durst nach dem Unendlichen ist in Gott unausrottbar da. Gott ist auf den Menschen hin erschaffen und braucht ihn.“

Was klingt plausibler?

10 Responses to “Braucht Gott den Menschen?”


  1. 1 Linus Heilig November 10, 2011 um 9:10 am

    Das Geniale ist immer auch das Einfache. Eine logische Meisterleistung, die sich zu denken lohnt. Vergleichsweise ist Kant eine Aufklärung mit Wattestäbchen und die B16-Meditation eine Anleitung zum Autismus.

  2. 2 Oliver November 10, 2011 um 2:53 pm

    Keine Meisterleistung, aber ganz nett und sinnvoll, dieser Wortaustausch.

    Auch die Wissenschaft ist autistisch, sie basiert letztlich auf der selben Logik (Metaphysik) wie die monotheistische Religion.

    Es bedarf der Säkularisierung der Ich-Du-Beziehung,
    und das Transzendente muss ins Reale geholt werden…

    Hier weiter lesen:
    http://www.vordenker.de/vgo/anmerkungen_cullberg.pdf

    P.S.: Daß der Wortaustausch so einfach möglich ist, zeigt auch, daß beide Texte strukturgleich sind, und man nur die Worte getauscht hat. Auch das ein Hinweis auf die Strukturgleichheit von Religion und klassischer Wissenschaft.
    Die Negation der Negation von x ist da wieder x.
    Aber es könnte auch mehrere Negationne geben, wenn man nicht auf der klassischen Logik beharrt.

    „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ benutzt die selbe überkommene klassische, zweiwertige Denke; schon in solchen Alltagsproblemen ist sie nicht mehr tauglich.

    Für G.W. Bush, den religiösen US-Präser, der da offenbar ganz logisch argumentierte, war dies genug.
    An dem Punkt treffen sich Wissenschaft und Religion,
    wenn man sie auf die logisch-philosophischen ursprünge zurück verfolgt.

    Wir brauchen eine Logik, die es auch erlaubt,
    daß der Feind meines Feindes nicht unbedingt mein Freund sein muß. Solange das nicht auch formal abgehandelt wird und als „unlogisch“ verworfen wird, solange bleibt Wissenschaft und Religion stark verwandt. Sie hatten den selben Urknall im antiken Griechenland.

  3. 3 dubiator November 10, 2011 um 4:04 pm

    Oliver schrieb. „…daß beide Texte strukturgleich sind…“
    Nein, es ist ein und derselbe Text. Und dass es möglich ist, die beiden Begriffe einfach auszutauschen, dass dabei ein neuer, anscheinend sogar plausiblerer Sinn entsteht, hat mit Wissenschaft nichts zu tun, es macht nur deutlich: Der Text taugt nichts, ist genau besehen sinnfrei!
    Wo Empirie und Logik zugrunde gegangen sind anstatt ihnen zugrunde zu liegen, werden Worte hohl, leer und austauschbar – mögen sie noch so hochgelahrt daherkommen.

  4. 4 Linus Heilig November 10, 2011 um 5:49 pm

    Architektonische Schöpfungsparallelen und Allahs Barth (ja, der mit h) wird immer länger ohne Erkenntniszugewinn:
    http://blasphemieblog2.wordpress.com/2011/11/10/christliche-symbole-eingeschmuggelt/#comments
    Gerade solch sprirituell motivierte Hybris-Erzeugnisse schreien nach pragmatischer Logik.

  5. 5 dubiator November 11, 2011 um 1:09 pm

    …und keiner äußert sich zu dem schönen Bild. Das Werk ist wohl zu berühmt um neue Interpretationen zuzulassen. Wie wär’s denn mit dieser:
    Das menschliche Auge tastet gewöhnlich ein Bild von links nach rechts ab. Also tun wir dies einmal konsequent: Da hockt unser Adam, also der männliche Mensch ganz entspannt an einem Abhang, hängt also gewissermaßen ab und blickt versonnen zum Himmel. Da der aber leer ist, denkt er sich etwas aus, vom Künstler hier angedeutet durch eine Art Denkblase, wie sie nach diesem Vorbild in späteren Comics gern verwendet wird, in der annähernden Form eines menschlichen Hirnquerschnitts – wahrscheinlich ein zusätzlicher Hinweis des universal gebildeten Michelangelo, dass es sich hierbei tatsächlich um eine Ein-Bildung, ein Bild der Phantasie unseres Ur-Mannes handelt. Und was sich Adam da ausdenkt, entspricht halt seiner natürlichen Sehnsucht: Eine mächtige Vaterfigur, die auf ihn zu schwebt, und von der er wünscht, sie möge ihre Hand zu ihm ausstrecken, ihn inspirieren und beschützen. Und sie möge ihm ein schönes Weib zuführen mit reichem Nachwuchs im Gefolge, hier dargestellt durch die herzallerliebsten Putten.
    Was wollte uns also der Künstler damit sagen? Gott tummelt sich allenfalls in unseren Hirnen, nirgendwo sonst.
    So, und nun beweis mir einer, dass diese Auslegung nicht zutreffend sein kann, meinetwegen mittels pragmatischer Logik.

  6. 6 Linus Heilig November 12, 2011 um 2:28 pm

    Ganz in meinem Sinne, eine halbe Seite sinnvolle Argumente, und erinnert mich an meine Schulaufsätze zum Thema „Bildbeschreibung“. Benotung: inhaltlich eigentlich gut, aber aufgrund der zu Verfügung gestellten 4 Stunden nur ausreichend. Dafür durfte dann die mit 24 Seiten bestbewertete Schülerin ihre Interpretationen „was soll das deuten“ vorlesen. In der Kürze liegt die Würze.

  7. 8 Linus Heilig November 13, 2011 um 8:18 am

    Und finden ihre Entlastung (Hebelung) in der Interpretation von B16, die Bildebeschreibung aus 1982, kürzer gehts nimmer: „…man ist kein Mensch im Vollsinn, wenn man nicht in der Erlösung lebt, die dem Menschen die tiefen Wurzeln seiner Person zeigt, die … von Gott erlöst ist…“
    Oder, wie man mit Geschwurbel intellektuelle Höhen erklimmt.

  8. 9 Linus Heilig November 21, 2011 um 11:21 am

    Nicht von B16, aber als Poesie und Musik-Kunstfeund unfehlbar seine Beantwortung der Frage aller Fragen:
    http://www.nanamouskouri.de/weisst.htm

    Agnostische Nochskeptiker sollten weiterhin V-Leuten vertrauen.

  9. 10 emporda Januar 10, 2012 um 3:50 am

    Umgekehrt wird ein Schuh draus.

    Gott braucht den Menschen, denn als Fiktion gibt es ohne Menschen auch keinen Gott. Affen, Hunde und rosa Elefanten gehen nicht in die Kirche beten


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Anstößige Denk-Anstöße

Falls Du glaubst, Denken und Glauben schlössen einander nicht aus, bedenke deinen Glauben! Es gibt keine Götter – Gott sei Dank. Glaube ist der Sieg des Wunschdenkens über die Vernunft. Allein mit diesen drei harmlosen Sätzen errege ich gewiß bei vielen von euch Anstoß – und das nach über zweihundert Jahren Aufklärung! Aber Anstoß erregen heißt auch etwas anzustoßen. Und genau das möchte ich: ein wenig zum Denken, ein wenig zum Zweifeln.
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