Ich glaub nicht

Ich glaub schon.
So lautet das Motto einer neuen Missionskampagne der EKD, losgetreten von der Ev. Landeskirche in Württemberg. Flächendeckend sollen die Württemberger, und nach und nach wahrscheinlich auch wir alle, in den kommenden sechs Jahren in Bussen und Bahnen, auf Plakatflächen und online mit diesem Motto belästigt werden.
Als Galionsfigur instrumentierte man den VfB-Star Cacau mit der schlichten Botschaft: „Es gibt immer wieder Momente, wo man denkt: Warum passiert das? Gerade in schwierigen Momenten, bei Krankheiten, bei schwierigen Situationen in der Familie, wo man nicht weiß, wie es weitergeht. Das habe ich auch mehrmals erlebt. Das Schöne ist: In diesem Moment findet man bei Gott Trost, man darf ihm alles sagen und man spürt diesen Frieden, vielleicht nicht in dem Moment, aber im Nachhinein. Und man merkt, dass man sich auf diesen Gott verlassen kann.“
Nun mag ein gottverlassener Kicker sich nach Herzenslust auf Gott verlassen, und ein jeder mag getrost glauben was er mag, wobei die meisten Gläubigen wahrscheinlich noch glauben und nicht schon.
Indes die EKD, wohl um Einfluss und Einnahmen besorgt, forciert die Menschenfischerei und bietet unter anderem „Kurse zum Glauben“ an, ganz individuell, so „für Skeptiker“, „für die, die sich alle Optionen offen halten“ und „für alle, die Warum-Fragen beantworten müssen“:

Nun, ein ehrlicher Skeptiker dürfte seine gesunden Zweifel kaum gegen einen kränkelnden Glauben eintauschen; wer für alles offen ist, ist ohnehin nicht ganz dicht; aber die wunderbaren Warum-Fragen eines Kindes sollten doch redlich beantwortet werden, auf der Grundlage erkannter Realitäten. Wer seine und unser aller Kinder stattdesssen mit frommen Ammenmärchen vom lieben Gott, den Engelchen und dem zarten Jesulein abspeist, sie mit dem Himmelreich tröstet oder ihnen gar mit der Hölle droht, der begeht geistliche Kindesmisshandlung! Da hört der Spaß auf.
So lange eine Kirche derlei öffentliche Missionsfeldzüge unternimmt, wird sie sich auch gefallen lassen müssen, dass man ihren Aber(witzigen?)Glauben gehörig durch den Cacau zieht – ich glaub schon.

8 Responses to “Ich glaub nicht”


  1. 1 Niels Dettenbach Dezember 5, 2011 um 6:43 pm

    …Top Marketer! Ein Fußballer der über’s Denken philosophiert, das muß – zumindest in der angepeilten Zielgruppe – einfach nur funktionieren…

  2. 2 Linus Heilig Dezember 6, 2011 um 10:24 am

    Wer glaubt, Gott habe ein Tor geschossen, glaubt auch an die Unfehlbarkeit des Schiedsrichters. Er entscheidet auch, ob es ein katholisches, evangelisches, islamisches, … oder überhaupt Thoor war. In Memoriam Fußballgott Toni Turek und das Foulspiel „Blasphemieabseits“ durch Herbert Zimmermann.

  3. 3 dubiator Dezember 6, 2011 um 10:37 am

    Apropos fromme Fußballer: Eine Notiz vom August vorigen Jahres:
    https://dubiator.wordpress.com/2010/08/03/porca-maradonna/

  4. 4 Tano Dezember 31, 2011 um 12:56 pm

    Darf ich fragen: Bist du Württemberger? Weil ich lustige Ideen zu dieser Kampagne hätte und da gern mit ein paar Leuten aus dem Ländle drüber schwätzen tät.

  5. 7 Prof. Uwe Hillebrand Januar 1, 2012 um 5:25 pm

    Es grenzt schon an Frechheit, dass die evangelische Kirche all die logischen Fragen, die immer wieder an sie gestellt werden und die sie nicht beantworten kann, einfach negiert und sozusagen zum Angriff übergeht. Gerade jetzt bringen die Medien wieder die Schlagzeilen des gerade vergangenen Jahres, bei denen man sich auch erinnern kann, was der allmächtige und ach so barmherzige Gott, der doch alles ändern könnte (?), immer wieder zugelassen hat. Und was machen die Menschen? Sie haben beispielsweise durch einen Tsunami fast die ganze Familie, alle Freunde und natürlich alles Hab und Gut verloren, und was tun sie? Sie gehen in eine Kirche und beten für die auf jämmerliche Weise umgekommenen Menschern. Es ist wohl so, man kann den wirklich Gläubigen nicht helfen. Für Argumente der Logik sind sie nicht zugänglich.

  6. 8 emporda Januar 9, 2012 um 11:14 am

    Die „London School of Economics and Political Science“ ermittelt 2009 per Befragung die Intelligenz von 14.000 US-Jugendlichen gemäß Satoshi Kanazawa für Atheisten mit einem IQ über 106, für Religiöse unter 95 und für Fanatiker unter 70. Religionen rekrutierten sich als negative Auslese in den untersten Bildungsschichten, Gläubige sind ungebildet, geistig bequem und vermehrungsfreudig. Atheisten sind evolutionär auf Neues ausgerichtet, tolerant, weniger fremdenfeindlich ohne Antisemitismus. Die Menschen kapseln sich in ihrer sozialen Schicht durch Beruf, Enkommen, Urlaub und Umgang ab bis hin zur totalen Abgrenzung. Religionen haben ihre Wurzeln in Ignoranz, Bildungsmangel, Rassismus, Macht und Ausbeutung durch die Kirchen, begründet wird das als liebevoll vom all-gütigen Gott befohlen. Es gehen fast nur Einfaltspinsel in die Kirche und lächeln glücklich, wenn man sie mit Märchen verarscht.

    Eine Umfrage der Royal Society ergibt nur <3,3% der britischen Akademiker, aber 68,5 % der Bevölkerung glauben an Gott – je frommer umso dümmer. Die Verfügbarkeit des Internets entlarvt dogmatische und diktatorische Systeme schnell als verlogen und betrügerisch und sortiert sie aus. Die Systeme selber agieren dabei hilflos wie das „gelähmte Kaninchen“. Für über 74% der Priester sind die Vorgaben der Kirchenleitung unvereinbar mit den Gläubigen, für über 80% der noch normalen Priester bedingt sexueller Missbrauch die kirchliche Dogmatik zu revidieren. Pfarrer Klaus-Peter Jörns befragt 1996 Pfarrer nach Glaubensinhalten, die Resultate aus der Zeit ohne Sexskandale wären heute sicher deutlich schlechter:
    65% sehen Jesus Christus als Gott, erkennen also die Existenz eines Gottes an
    33% halten die Heilige Schrift für heilig
    43 % glauben an die Allmacht Gottes
    13 % glauben an die biblisch-theologische Aussage der Erbsünde
    33 % glauben an das jüngste Gericht und die Hölle


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Falls Du glaubst, Denken und Glauben schlössen einander nicht aus, bedenke deinen Glauben! Es gibt keine Götter – Gott sei Dank. Glaube ist der Sieg des Wunschdenkens über die Vernunft. Allein mit diesen drei harmlosen Sätzen errege ich gewiß bei vielen von euch Anstoß – und das nach über zweihundert Jahren Aufklärung! Aber Anstoß erregen heißt auch etwas anzustoßen. Und genau das möchte ich: ein wenig zum Denken, ein wenig zum Zweifeln.
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