Nudelpredigt

Humanistisches Gedankengut macht auch vor der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters nicht halt. Das belegt einmal mehr die folgende Predigt des bekennenden Pastafari Al Dente (Oder heißt der Singular Pastafaro, Pastafare oder einfach Pastafar?), welche er unlängst auf einer ihrer schmackhaften Nudelmessen hielt:

Liebe Pastafarinnen und Pastafari,
liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Gästinnen und Gäste,

für alle, die mich noch nicht kennen – also die meisten -: Man nennt mich Al Dente, den Zweifler, den Ruchlo… nein den Ruhelosen. Denn ich bin auf der Suche unentwegt nach Wahrem, Gutem und Schönem. Das ist nicht ganz einfach und nur selten von Erfolg gekrönt. Umso mehr beeindruckte mich unlängst eine gar sonderbare, eine äußerst bemerkenswerte Begegnung, von der ich euch berichten möchte:
Meine Schritte hatten mich in den großen zentralen Tempel geführt – den Tempel des Konsums, den sie Alexa nennen. Inmitten all der Schnäppchenjäger trachtete ich nach einem Paar neuer, bequemer Schuhe. Ich wand mich mühsam durch die Menge, als jemand ganz zaghaft und sanft meine rechte Hand ergriff. Da ich auf Augenhöhe niemanden wahrnahm, von dem diese Berührung ausgehen konnte, beugte ich mich ein wenig hinab und erblickte einen schmalen Knaben von etwa zehn oder elf Jahren. Er trug ein verwegenes Kopftuch und schaute mit ernster Miene zu mir auf.
„Wer bist du denn“, fragte ich überrascht, „hast du dich verlaufen?“
„Ich heiße Emilio Lasagnetti „, sprach der Junge, „und nicht ich habe mich verlaufen sondern du, wie die meisten hier.“ Er beschrieb mit seiner rechten Hand einen Kreisbogen, wie, um mich auf das Gewimmel um uns herum aufmerksam zu machen. Wir blieben stehen, so dass die Menschenmassen um uns herumfluten mussten, und ich spürte in diesem Moment, dass es nicht einfach die Hand igendeines kleinen Jungen war, die ich in der meinen hielt – nein, hier endete ganz offenbar eines SEINER nudeligen Anhängsel! Ich spürte, welche Kraft und welche Aufmerksamkeit des Geistes zu mir strömten als ich die Rede Emilios vernahm:
„Ja, verlaufen“, fuhr er fort, „schau doch, wie sie alle aneinander vorbei gehen, wie einige gar aufeinander losgehen anstatt aufeinander zu! Alle auf der Jagd nach ein paar modischen Kleidern, nach gutem Essen, nach Unterhaltung, nach Erfolg und einem kleinen persönlichen Glück. Nein nein, versteh mich nicht falsch: Das alles ist keineswegs verwerflich, denn jedes Individuum ist auf sein Wohl bedacht, das ist eure menschliche Natur. Ihr solltet aber bedenken, dass ihr gerade den größten Erfolg und das größte Glück dadurch erreichen könnt, dass ihr miteinander kooperiert, dass ihr einander die Hände reicht, dass nicht nur eine Hand die andere wäscht sondern dass eine Hand der anderen aufhilft. Einst aus Herdentieren hervorgegangen, ist auch das eure menschliche Natur. Verleugnet sie nicht, erkennt sie an – und macht etwas daraus!
Fahrt weder die Fäuste aus noch die Ellenbogen, wenn ihr meint, dass jemand euren Interessen ins Gehege kommt. Auch dieser Jemand verfolgt nur seine Interessen, ist nicht a priori böse – und ihr seid nicht a priori gut. Bleibt friedlich, verhandelt und schafft einen fairen Ausgleich! So wird euch beiden geholfen sein!“
„Aber – das sind doch nicht die Worte eines Kindes“, entfuhr es mir.
„Es sollten deine Worte sein“, flüsterte Emilio Lasagnetti und fuhr fort:
„Ihr könnt euch nicht alle lieben, aber ihr könnt euch mit Achtung begegnen, Achtung nicht vor dem, was ihr wisst oder glaubt oder was ihr zu wissen glaubt oder was ihr nicht glaubt – das ist nur Beiwerk und nicht einmal schmückendes – nein, begegnen mit Achtung voreinander als Menschen, die ihr seid und wie ihr seid. Denn ES hat euch Herz und Verstand gegeben, dem einen etwas mehr, dem anderen etwas weniger, nun ja, aber das eine ist ebenso wenig euer Verdienst wie das andere ein Makel ist.“
„Das klingt ja alles ganz einfach“, erwiderte ich, ebenso fasziniert wie überrascht.
„Das ist einfach“, versetzte der Knabe, „aber es scheint ganz schwer zu machen zu sein. Sag’s all den anderen!“
Damit ließ Emilio meine Hand los, lächelte mir verhalten zu und verschwand in der Menge. Ich spürte wie die Kraft von mir wich. Um mich zu sammeln, brauchte ich jetzt dringend einen Irish Coffe – aber nicht bei Starbuck’s. Schuhe kaufte ich an diesem Tage nicht mehr.
Liebe Pastafarinnen und Pastafari, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Gästinnen und Gäste:
Wir haben SEINE Worte vernommen.
Nehmen wir sie uns zu Herzen!
RAmen.

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Anstößige Denk-Anstöße

Falls Du glaubst, Denken und Glauben schlössen einander nicht aus, bedenke deinen Glauben! Es gibt keine Götter – Gott sei Dank. Glaube ist der Sieg des Wunschdenkens über die Vernunft. Allein mit diesen drei harmlosen Sätzen errege ich gewiß bei vielen von euch Anstoß – und das nach über zweihundert Jahren Aufklärung! Aber Anstoß erregen heißt auch etwas anzustoßen. Und genau das möchte ich: ein wenig zum Denken, ein wenig zum Zweifeln.
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