Freiheit und Verantwortung

Will jemand von mir wissen ob ich an Gott glaube, so frage ich gewöhnlich nach, welche der zahllosen Phantasiegestalten er denn meint. Das gibt dem Gespräch meist einen interessanten Impuls.
Auch über Begriffe wie Freiheit und Verantwortung lässt sich trefflich schwadronieren, zumal sie doch wesentlich bedeutsamer sind als der Begriff des Glaubens. Umso mehr empfiehlt es sich aber, auch hier nachzufragen wovon denn im Detail die Rede ist:

Wessen Freiheit meinen Sie denn, die Freiheit der Andersdenkenden oder doch nur die unternehmerische Freiheit?
Meinen Sie mit Meinungsfreiheit die Freiheit aller, ihre Interessen und Meinungen öffentlich kundzutun, auch einander gelegentlich dabei auf die Füße oder den Schlips zu treten, oder doch nur, Ihre vorgefasste Meinung möglichst unangefochten unter die Leute zu bringen?
Meinen Sie mit Religionsfreiheit auch das Recht auf Freiheit von Religion oder doch nur die Freiheit, Ihre Religion als Leitkultur für alle zu verkaufen?
Meinen Sie mit Freiem Markt den fairen, ungehinderten, weltweiten Austausch von Waren, Dienstleistungen und Informationen zu unser aller Nutzen oder doch nur den deregulierten Finanzmarkt?
Von welcher Art Verantwortung sprechen Sie, von der Verantwortung der Starken für die Schwächeren, der Wohlhabenden für die Habenichtse, der Mächtigen für die Machtlosen oder doch nur von der Verantwortung, die die Benachteiligten, die „Abgehängten“ gefälligst für sich selbst übernehmen sollen?
Meinen Sie soziale Verantwortung oder doch nur Verantwortung für die Aufrechterhaltung sozialen Friedens?
Sprechen Sie von der Verantwortung der Politiker gegenüber ihren Wählern oder doch nur von deren Verantwortung für ihren eigenen Machterhalt?
Meinen Sie die Verantwortung der Regierenden für die Schaffung eines optimalen Interessensausgleichs oder doch nur deren Verantwortung gegenüber Lobbyisten und wirtschaftlichen Interessengruppen?

Fragen über Fragen. Der künftige Bundes(kirchen)präsident wird sie uns im Laufe seiner Amtszeit alle beantworten.

Foto: Sebastian Hillig / CC-BY-SA

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Anstößige Denk-Anstöße

Falls Du glaubst, Denken und Glauben schlössen einander nicht aus, bedenke deinen Glauben! Es gibt keine Götter – Gott sei Dank. Glaube ist der Sieg des Wunschdenkens über die Vernunft. Allein mit diesen drei harmlosen Sätzen errege ich gewiß bei vielen von euch Anstoß – und das nach über zweihundert Jahren Aufklärung! Aber Anstoß erregen heißt auch etwas anzustoßen. Und genau das möchte ich: ein wenig zum Denken, ein wenig zum Zweifeln.
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