Es geht um die Kinder

Noch einmal zum Thema Beschneidungsdebatte: Hier mein Status auf der fb-Seite von Sandra Maischberger zur morgigen (Di., 14.08.12) Talkshow „Menschen bei Maischberger„:

Es geht um die Kinder

Ist die Rechtslage wirklich so kompliziert? Es geht um Körperverletzung von Säuglingen und Kindern. Die beginnt spätestens da, wo ohne medizinische Notwendigkeit Teile des Körpers, und seien sie noch so klein, unwiederbringlich entfernt, Schmerzen zugefügt oder Anästhesien, die schließlich ihr eigenes Risiko in sich bergen, durchgeführt werden.
Es gibt ein Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit, festgeschrieben im Grundgesetz, Artikel 2, Absatz 2: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.“
Und die UN-Kinderrechtskonvention, die auch die Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet hat, legt in Artikel 24, Absatz 3 fest: „Die Vertragsstaaten treffen alle wirksamen und geeigneten Maßnahmen, um überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind, abzuschaffen.“
Grundrechte heißen deshalb so, weil sie nicht von anderen Rechten entkräftet werden können. Traditionelle, religiöse oder folkloristische, ja selbst hygienische Begründungen für Körperverletzungen an Säuglingen und Kindern können also hier gar nicht relevant sein. Meint nun eine Gruppe von Menschen, aus welchen Gründen auch immer, ohne systematische Verletzung des Grundrechts auf körperliche Unversehrtheit nicht einwilligungsfähiger Kinder nicht auszukommen, so ist das keinesfalls das Problem des Gesetzgebers, sondern allein das Problem ebendieser Gruppe. Sie kann es ja lösen, beispielsweise durch die Einführung einer nicht-verletzenden, harmlosen, symbolischen Zeremonie, analog der christlichen Taufe etwa.
In einer säkularen, demokratischen Gesellschaft mittels eines Gesetzes zum Schutze archaischer, schmerzhafter Bräuche in das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit von Kindern einzugreifen, halte ich für geradezu ungeheuerlich!

4 Responses to “Es geht um die Kinder”


  1. 1 Niels Dettenbach August 13, 2012 um 9:29 am

    …soweit völlig richtig, aber argumentativ ggf. dort noch schwach, wo der Begriff „Körperverletzung“ einmal mehr (fehl-)interpretiert wird, denn auch eine OP durch einen Arzt um das Leben eines Kindes zu retten ist sachlich wie juristische eine „Körperverletzung“, allerdings keine unerlaubte / strafbare (selbst wenn ohne Eiinwilligung einess z.B. Bewusstslosen bzw. Säuglings an ihm durchgeführt), denn hierbei geht es ja um den Erhalt der körperlichen Unversehrtheit.

    Man muss also – auch argumentativ – wenn man nicht gleich in der Debatte den Kürzeren ziehen will – klar z.B. zur strafbaren Körperverletzung abgrenzen und kann diese nicht geenerell (wie man hier interpretieren könnte) als „verboten“ oder „Grundrechteeingriff“ darstellen.

    Deshalb ist es eine medizinische Frage, inwieweit die körperliche Unversehrtheit eines Kindes durch eine Beschneidung gefährdet bzw. beeinträchtigt wird, wenn man bewerten will, ob solche Körperverletzungen die Grundrechte der Kinder eingreifen bzw. tolerabel sind – und hierauf sollte man die ganze Debatte auch immer wieder konsequent zurückführen, ist jedenfalls meine Position.

    Beste Grüße,

    Niels.
    http://www.dettenbach.de

  2. 2 Linus Heilig August 14, 2012 um 8:52 am

    Argumentativ zu klären ist zunächst, ob es sich um eine geistige oder körperliche Verletzung handelt, oder beides. Konsequent in Analogie zu diesem Wahn: http://www.wissenbloggt.de/?p=10424

  3. 3 Linus Heilig August 14, 2012 um 9:23 am

    Oder weiter mit rechtlicher Diversifizierung der psychsomatischen Anabolika zur Ernährung des Hirnwurms:
    http://www.der-postillon.com/2012/08/olympia-mehrere-athleten-positiv-auf.html


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