Isch geh Schulhof

BuchcoverPhilipp Möller:

Isch geh Schulhof

BASTEI LÜBBE

Taschenbuch

368 Seiten

ISBN 978-3-404-60696-2

Supergeiles Buch, Alter, sch’wöre! Isch mach Reschension:
Der Autor Philipp Möller, Jahrgang 1980, Diplom-Pädagoge, liefert mit diesem Buch einen ungeschminkten Erlebnis- und Erfahrungsbericht über seinen zweijährigen Quereinstieg als Lehrer an Berliner Grundschulen ab. Unverkrampft und unbelastet von pädagogischer oder didaktischer (Pseudo-?)Wissenschaft kommt Möllers Text leichtfüßig daher und ist doch ein bildungspolitischer Vorschlag-Hammer. Denn hier wird anhand einer auf den ersten Blick humorig anmutenden Plauderei aus der Schule die bitterböse und mehr als erschreckende Realität infolge einer hoffnungslos verkorksten Bildungspolitik schonungslos freigelegt. Möller nimmt kein Blatt vor den Mund und schildert in jener Klarheit, die besonders einem Lehrer gut zu Gesicht steht, und, ja, auch auf heitere Weise befremdliche bis schockierende Begebenheiten aus Klassenzimmer, Treppenhaus und Pausenhof. Nein, das sind keine Anekdötchen á la Feuerzangenbowle – da tobt ein regelrechter Überlebenskampf zwischen allen Betroffenen, Schülerinnen und Schülern ebenso wie Lehrerinnen und Lehrern, inmitten dessen Tohuwabohu der Junglehrer Möller oft genug verzweifelt versucht, seinen Schützlingen wenigstens ein paar Häppchen Bildung nahezubringen. Und genau das macht ihn, seinen Bericht und seine Vorschläge besonders sympathisch: Trotz all der Widrigkeiten, Pannen und Niederlagen verfällt Möller nicht in Resignation, wird er nicht zum Zyniker sondern versucht, auch aus den peinlichsten persönlichen Schlappen neue Kraft und neue Ideen zu gewinnen. Immer schlägt er sich dabei auf die Seite der Schwächsten, der ihm anvertrauten Mädchen und Jungs, auch wenn einige von ihnen ihm noch so sehr zusetzen, denn „…sie können nicht dafür, wie sie sind, und unter anderen Lebensumständen wäre ich vielleicht genauso wie sie.“ Eine wahrhaft humanistische Denkweise wie sie für Möller eben nicht nur im Buche steht und die ihn dazu veranlasst, selbst Vorschläge zu machen und aktiv für Neuerungen einzutreten, auch wenn deren Erfolg noch fragwürdig ist, denn „es kann nur besser werden.“ Schule sollte endlich im 21. Jahrhundert ankommen!
Das Werk sollte Pflichtlektüre sein für alle, die mit Bildungs- und Erziehungsfragen befasst oder konfrontiert sind, also Schüler, Studenten, Lehrer und Erzieher sowieso, Bildungstheoretiker und Politiker, Hausmeister, Eltern und Großeltern – ja, eigentlich alle.
Was liest du, Zeitung oder was? Musst lesen das Buch von Herr Mülla, Alter! Obergeil, sch’wöre.

eine weitere, ausführlichere Rezension
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Homepage des Buches

2 Responses to “Isch geh Schulhof”


  1. 1 Linus Heilig Oktober 6, 2012 um 5:58 pm

    Alterschollie! Solche Tacheles-Reschensionen ermuntern, den falschen Autoritäten noch mehr blasphemisch auf den Zahn zu fühlen. Vor allem den hybrisbefallenen Evolutionsleugnern und Sinnsuchern mit „am Anfang war das Wort“ und das Beten um „wer sagt uns was wir tun sollen?“

  2. 2 O. Oktober 7, 2012 um 11:22 am

    „Immer schlägt er sich dabei auf die Seite der Schwächsten, der ihm anvertrauten Mädchen und Jungs, auch wenn einige von ihnen ihm noch so sehr zusetzen, denn “…sie können nicht dafür, wie sie sind, und unter anderen Lebensumständen wäre ich vielleicht genauso wie sie.”“

    Das ist vollkommen verständlich, leider nicht unbedingt zielführend, denn auch der Stärkere in einem Konflikt ist ja in Bedrängnis, und der Stärkere hat den meisten Einfluss auf die Situation.

    Wo in so einer systemisch verfahrenen Situation ein einfaches „hilf den Schwächeren“ oder „hilf den Stärkeren“ ansetzbar ist, ist ein anderes Problem, weil die Lokalisierung nicht einfach wird.

    In jedem Falle lesenswert:
    Marshall B. Rosenberg: Konflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation


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