Zeitunglesen

Dieser Essay mit dem Untertitel Bin ich vielleicht verrückt geworden? von Monika Maron (DER SPIEGEL 34/2013, S.102f), (SPIEGEL online) spricht mir derart aus dem Herzen, dass ich ihn unbedingt zum Lesen empfehlen muss. Hier nur einige Passagen:

„Mich überkommt das Gefühl, ich lebte in einem Behindertenhaus. Wahrscheinlich darf man es so auch schon nicht mehr nennen, weil das Wort behindert inzwischen benutzt wird wie früher die Wörter irre und blöde: „Bist du behindert oder was?“, sagt man jetzt, womit allein schon bewiesen wäre, dass es überhaupt keinen Sinn hat, Wörter zu verbieten, weil das an den Tatsachen nichts ändert.

Männer unter eine weibliche Bezeichnung zu zwingen ändert auch nichts daran, dass es immer nur die von der männlichen Bezeichnung abgeleitete ist, immer nur das angehängte „in“, was uns dieses literaturuntaugliche Binnen-I beschert hat und die genuschelten „Liebe Bürgernnnnn und Bürger“-Ansprachen aller Politiker.

Wer wie ich an gar keinen Gott glaubt, ist besonders gefährdet, weil mir allein die Zumutung, ständig auf eine Religion Rücksicht zu nehmen, auf die Nerven geht …

Seit einiger Zeit habe ich den Eindruck, unter den Christen, jedenfalls unter ihrer kirchlichen Obrigkeit, breite sich ein verhohlener Neid auf die gläubigen Muslime aus, deren hochgradige Kränkbarkeit in Glaubensdingen sich als sehr erfolgreich erwiesen hat.

Schließlich hätten sie alle den gleichen Gott, ist zu hören (was ja möglich ist, aber voraussetzt, dass Allahs Prophet einige Mitteilungen seines Herrn missverstanden haben muss), und auch sie, die Christen, würden leiden unter mangelndem Respekt vor ihrem Glauben, was sie mit allen anderen Gläubigen eine und von Ungläubigen wie mir eben unterscheide. Ich kann mir sogar vorstellen, dass auch einige Menschen in Regierungsverantwortung manchmal bedauern, ständig mittels demoskopischer Umfragen herausfinden zu müssen, was ihre potentiellen Wähler gerade von ihnen wollen, statt ihnen, wie zum Beispiel Recep Tayyip Erdogan, im Namen Gottes klipp und klar mitzuteilen, was sie zu wollen haben.“

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Anstößige Denk-Anstöße

Falls Du glaubst, Denken und Glauben schlössen einander nicht aus, bedenke deinen Glauben! Es gibt keine Götter – Gott sei Dank. Glaube ist der Sieg des Wunschdenkens über die Vernunft. Allein mit diesen drei harmlosen Sätzen errege ich gewiß bei vielen von euch Anstoß – und das nach über zweihundert Jahren Aufklärung! Aber Anstoß erregen heißt auch etwas anzustoßen. Und genau das möchte ich: ein wenig zum Denken, ein wenig zum Zweifeln.
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