Mein Eid

Foto: REUTERS/Thomas Peter (Detail)

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„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“
Hm. So wahr mir Gott helfe? Die religiöse Beteuerung ist schon ’ne seltsame Floskel.
Ich glaube ja nicht wirklich an so’n imaginäres übermächtiges Wesen namens Gott. Aber in dieser Koalition müssen wir uns halt ein bisschen anbiedern. Obwohl – wär schon ganz praktisch, wenn Gott mich beim Regieren unterstützte, ich wär ’ne Menge Verantwortung los. Aber müsste es dann nicht heißen: „So wahr mir Gott hilft.“?
Nee, ist wohl doch mehr so ’ne Hoffnung, ein Wunsch: Gott möge mir beistehen. Wünschen darf ich mir schließlich alles Mögliche und Unmögliches noch dazu. Wünsche können in Erfüllung gehen oder auch nicht. Meine Wünsche können fromm sein, bescheiden oder unverschämt – aber wahr oder falsch?
Ich drück’s mal anders aus: Dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde – ist ebenso wahr oder unwahrscheinlich wie die Möglichkeit, dass mir ein imaginärer Gott hilft.
Ist das der religiösen Beteuerung tieferer Sinn? Muss ein rechter Schelm gewesen sein, der Erfinder dieser Eidesformel.
Aber was grübel ich hier? Ich plapper die Floskel einfach nach wie die Anderen. Darin sind wir schließlich geübt.

(Gäbe es Gott, ertönte spätestens an dieser Stelle eine Donnerstimme aus dem Off:
Ich aber sage euch: Ihr sollt überhaupt nicht schwören! … Sagt ganz einfach Ja oder Nein; jedes weitere Wort ist vom Teufel.”)*

*vgl. Mt 5;33-37

4 Responses to “Mein Eid”


  1. 1 Pat Dezember 20, 2013 um 11:55 am

    Da lässt sich bestimmt ein Versprecher draus basteln, damit man den Satz nicht so sagen muss.

    So wahr mir Gotthelf…*hust* helfe.

    Wer auch immer Gotthelf ist.🙂

  2. 2 itna Dezember 20, 2013 um 2:12 pm

    Also wenn hier ein Gott in die Politik eingreift, so wurde dieser nicht gewählt.

    Es gibt da einen klasse Kommentar dazu auf :
    http://www.wissenbloggt.de/?p=21690

  3. 3 itna Dezember 20, 2013 um 2:13 pm

    Ich meine den von Klarsicht.

  4. 4 Linus Heilig Dezember 28, 2013 um 7:42 pm

    helfe = helfen möge, ein systemimmanter Missbrauch des Konjunktivs. Siehe Beschneidungsdebatte und Gesetz am 12.12.2012, an Ihren Taten sollst du sie erkennen mögen. Zurück zum Gottesurteil?


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Falls Du glaubst, Denken und Glauben schlössen einander nicht aus, bedenke deinen Glauben! Es gibt keine Götter – Gott sei Dank. Glaube ist der Sieg des Wunschdenkens über die Vernunft. Allein mit diesen drei harmlosen Sätzen errege ich gewiß bei vielen von euch Anstoß – und das nach über zweihundert Jahren Aufklärung! Aber Anstoß erregen heißt auch etwas anzustoßen. Und genau das möchte ich: ein wenig zum Denken, ein wenig zum Zweifeln.
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